Tierschutz auf Reisen

Auf Reisen wird man häufig mit den wirklich katastrophalen Zuständen von Straßenhunden und Katzen konfrontiert. Während es ihnen in einigen Ländern verhältnismäßig gut geht, desto schlimmer ist es in anderen.

Gerade im Urlaub möchte man unbeschwert und sorgenfrei ein paar Tage oder Wochen genießen, doch Wegschauen ist für mich, und auch für viele von euch keine Option. Das ist auch gut so, denn die Tiere zählen auf uns!

Besonders getroffen hat mich das Schicksal der Straßenhunde und Katzen in Sri Lanka. In Kataragama hatten wir einen Hund entdeckt, in einem solch schrecklichen Zustand wie ich ihn wirklich noch nie zuvor gesehen habe. Später habe ich gelernt das es noch viele weitaus schlimmere Fälle gibt. Unsere kleine Maus hatte gar kein Fell mehr, aufgrund von Parasiten, sie war abgemagert bis auf die Knochen, lahmte und konnte kaum mehr sehen (was allerdings an ihrem Alter lag).

Als ich die kleine Maus, die ich auch schon mehrfach gepostet habe, das erste Mal gesehen habe bin ich in Tränen ausgebrochen und habe fast ausschließlich Unverständnis geerntet. Niemand wollte uns helfen. Der ortsansässige Tierarzt war nicht bereit zu uns zu kommen, wir sollten zu ihm kommen. Das war für uns eine große Herausforderung. Weder ich noch mein Mann haben Erfahrung im Umgang mit Straßenhunden und in Sri Lanka besteht nach wie vor ein Tollwutrisiko. Selbst mit einer Impfung ist man nicht 100% ig geschützt, und Tollwut endet für Mensch und Tier tödlich. Das ist auch der Grund warum viele Einheimische sich scheuen sich um besonders kranke Tiere zu kümmern. Nach einem enttäuschenden Telefonat mit dem Tierarzt haben wir Futter und Wasser besorgt um ihr wenigstens ein bisschen zu helfen. So haben wir Srinath kennengelernt, einen Einheimischen der auch regelmäßig zum Marktplatz kommt um sie zu füttern, wie er uns später erzählte. So hatte diese erste herzzerreißende Begegnung doch etwas Gutes. Srinath half uns nach der süßen Maus zu suchen, denn sie hatte sich schnell versteckt als der Trubel zu groß wurde und bot uns auch weiterhin Hilfe an. Ich habe dann den Abend damit verbracht alle Tierschutzorganisationen Sri Lankas abzutelefonieren und anzuschreiben, was allerdings rein gar nichts gebracht hat. Entweder ich bekam gar keine Antwort oder ich wurde relativ unhöflich abgewimmelt. Also sind wir am nächsten Tag auf eigene Faust wieder auf die Suche gegangen, fanden sie und konnten sie mit Hilfe von zwei Einhemischen zum Tierarzt bringen, der ihr einige Spritzen gab, mehr aber auch nicht. In der Klinik konnte der Hund nicht bleiben und bis dato hatte sich keine Organisation bereit erklärt uns zu helfen.

Da ich auch beim Tierarzt völlig aufgelöst war hat die Ärztin mir noch eine Telefonnummer mitgegeben – unsere letzte Hoffnung – und dieser Strohhalm hat sich tatsächlich zum Retter in der Not entwickelt. WeCare Worldwide war die einzige Organisation die sich bereit erklärt hat nach ihr zu sehen. Obwohl auch diese Organisation mehrere 100 Kilometer von Kataragama entfernt ansässig ist, ist eine Mitarbeiterin in Kataragama vorbeigefahren und hat nach unserer Kleinen gesucht – und sie auch gefunden und behandelt.

Nach diesen beiden nervenaufreibenden Tagen war ich erstmal voller Wut und Unverständnis für die Einheimischen und auch die Tierschutzorganisationen, die mich teilweise wirklich derart unhöflich abgewimmelt haben das ich es kaum glauben konnte.

Nach meiner anfänglichen Wut und Enttäuschung musste ich mich aber mit der Realität auseinandersetzen und habe deshalb auch mit WeCare Worldwide gesprochen um herauszufinden wie man als Tourist am besten helfen kann, denn Anrufe von aufgelösten Touristen bekommen sie oft, doch auch ihre Mittel sind begrenzt.

Nachdem die Wut weg war habe ich eingesehen das die meisten Menschen wirklich tun was sie können und einfach nicht die Möglichkeit haben sich um 2-3 Millionen (!) Straßenhunde zu kümmern (was aber nicht die unhöfliche Art einiger Organisationen entschuldigt).

Viele der Organisationen sind keine Tierheime, das heißt sie behandeln zwar Tiere, entlassen sie dann aber wieder auf die Straße. Einige können vermittelt werden, einige wenige werden von Touristen mit in ihre Heimatländer genommen, doch der Großteil landet wieder auf der Straße. Für mich war das ein ganz furchtbarer Gedanke. Aber, die Hunde sind an ihr Straßenleben gewohnt, sie kennen ihr Territorium und fühlen sich dort auch heimisch und wohl. Daher sollte man ein Tier, wenn man es aufpickt und zum Arzt bringt, immer in seine gewohnte Umgebung zurückbringen. Meine Wunschvorstellung für unsere kleine Maus und auch jedes andere Straßentier wäre natürlich das sie ein liebevolles Zuhause finden und sich nie mehr allein auf der Straße herumschlagen müssen, doch viele der Tiere kennen es nicht anders und sind nicht unbedingt die schmusigen Haustiere die man von zu Haus kennt. Streicheleinheiten haben die meisten Tiere natürlich gern, aber sie sind auch an ihr Leben in Freiheit gewöhnt. Sie sind unabhängig und machen ihr eigenes Ding. Es ist schwierig und auch traurig das zu akzeptieren, aber es gibt einige Dinge die jeder von uns tun kann um zu helfen:

Futter und Wasser anbieten

Ganz simpel, und jeder von uns hat die Möglichkeit dazu. Wasser kann man überall kaufen, Hunde- und Katzenfutter zwar nicht, aber notfalls gehen auch Reis und Fleisch – ohne scharfe Soßen selbstverständlich. Auch viele Einheimische geben ihr übriggebliebenes Essen oft den Straßentieren, obwohl sie selbst nur das Nötigste besitzen.

Wenn man kann – schlimme Fälle zum Tierarzt bringen oder zu Tierschutzorganisationen

Es ist sinnvoll dort vorher anzurufen, damit man dem Tier und sich selbst einen unnötigen Weg erspart, denn man muss leider tatsächlich damit rechnen abgewiesen zu werden. Doch Beharrlichkeit zahlt sich aus, wie man an meinem Beispiel sieht.

Spenden

Ich weiß, viele denken ja immer „die Spenden kommen eh nicht da an wo sie gebraucht werden“, aber das stimmt nicht bzw. man muss sich bloß vorher informieren, welcher Organisation man wirklich vertrauen kann. Da wir aber ja ohnehin ständig irgendwas googeln oder mit dem Handy daddeln kann man auch fix die ortsansässigen Tierschutzorganisationen checken.

Sie sind wirklich auf Spenden angewiesen, jeder Euro oder Dollar zählt. Es geht nicht darum hunderte von Euro zu spenden (obwohl das natürlich Bombe wäre), denn wenn man regelmäßig, zum Beispiel monatlich 5 EUR spendet (geht prima mit Paypal bei vielen Organisationen) hilft das wirklich ungemein.

Vielleicht geht es euch wie mir und ihr würdet gern mehr tun, doch mit einer Spende könnt ihr wirklich viel bewirken. Mit unserer Hilfe können so Medikamente besorgt werden, die Tiere können behandelt und kastriert werden. Das kostet alles einen Haufen Geld, darum zählt wirklich jede Spende!

Gefühle zeigen!

Für die Einheimischen ist es leider normal das überall halbtote Straßentiere sind, für uns Touristen aber keinesfalls. Es ist nicht schlimm zu weinen und seine Gefühle zu zeigen, ganz im Gegenteil. Meine Tränen haben den Leuten gezeigt das dort etwas nicht stimmt und das schafft mehr Bewusstsein für die Not der Straßentiere und so kommt es nach und nach zu einem Umdenken und zu Veränderungen.

Verfasst von

Storyteller. Traveler. Nature Lover.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s