Sri Lanka Travel Diary – Part 2

Der zweite Part unserer Reise war nicht weniger aufregend als der erste, eigentlich sogar noch viel mehr.
Mit dem Taxi sind wir von Ella nach Udawalawe gefahren, da es zeitlich nicht anders umsetzbar war für uns.

Udawalawe

In Udawalawe hatten wir wieder einen Homestay gebucht, der uns auch dieses Mal ganz toll gefallen hat.
Wir durften zwei Tage lang Teil des Familienlebens von Saman, seiner Frau und ihres zauberhaften kleinen Sohnes sein. Nach Udawalawe sind wir hauptsächlich wegen des Nationalparks gekommen, man kann hier aber außerdem noch das Elephant Transit Home besuchen oder einen nahegelegenen buddhistischen Tempel, der fast vollkommen touristenfrei ist.
Wir starteten gleich morgens um 05:00 zu unserer Safari. Der Udawalawe Nationalpark ist wirklich sehr schön und auch nicht zu vergleichen mit dem Kaudulla Nationalpark, was die Anzahl der Besucher angeht. Natürlich sind viele Touristen unterwegs, das ist nun mal so, aber zum Glück verläuft sich das Ganze hier deutlich besser. Hier haben wir auch das erste Mal ein Krokodil in freier Wildbahn gesehen. Das ist so beeindruckend gewesen! Außerdem gibt es natürlich viele verschiedene Vögel, Wasserbüffel, Rehe und selbstverständlich Elefanten. Sri Lanka hat wirklich wahre Schätze zu bieten. Die Natur und die atemberaubende Tierwelt sind kaum zu überbieten.
Nachmittags waren wir dann noch im Elephant Transit Home, nicht zu verwechseln mit dem berühmt-berüchtigten Elefantenwaisenhaus. Hier werden Elefantenbabies aufgepäppelt mit dem Ziel sie so schnell wie möglich im Nationalpark auszuwildern. Natürlich stellt sich die Frage warum es überhaupt so viele Elefantenwaisen gibt, denn Elefanten stehen in Sri Lanka unter Schutz, doch darauf haben wir leider keine Antwort bekommen.

 

 

Kataragama

Auf Kataragama hatte ich mich total gefreut. Kataragama ist eine berühmte Pilgerstätte, die für Buddhisten, Hindus und Muslime heilig ist. Außerdem grenzt sie an den Yala-Nationalpark – den zu Recht berühmtesten Nationalpark Sri Lankas. Allerdings haben wir sofort bei Ankunft am zentralen Busbahnhof ganz merkwürdige Vibes gespürt, eine ganz eigenartige Grundstimmung die hier zu herrschen scheint. Irgendwas fühlte sich falsch an. Ich kann es gar nicht beschreiben, aber wir beide, also mein Freund und ich, hatten unabhängig voneinander dieses Gefühl. Wie immer haben wir es erstmal verdrängt, denn wir hatten ja immer ein straffes Programm, doch auch dieses Mal holte es uns selbstverständlich ein.

Unsere Unterkunft war wieder ein Homestay, allerdings mit einem eigenen kleinen Bungalow im Garten der Familie. Unserem Gastgeber war sehr wichtig zu betonen wie herzlich und freundlich alle Dorfbewohner sind, was wir so leider nicht bestätigen können, denn von allen Städten und Dörfern die wir in Sri Lanka besucht haben hat uns Kataragama am wenigsten gefallen, und das lag leider an den Menschen. Hier haben wir kaum Frauen gesehen, sondern überwiegend junge Männer die sehr angespannt und verhärmt wirkten, gar nicht aufgeschlossen und freundlich wie überall anders. Versteht mich nicht falsch, wir wissen weder was sie erlebt haben noch wie der Alltag hier für sie aussieht, der ist sicher nicht leicht, nur weil gerade die Aufgeschlossenheit und Gastfreundschaft vorher so hoch gelobt wurde, waren wir etwas vor den Kopf gestoßen.

 

 

Gestartet haben wir den nächsten Tag mit der langersehnten Safari in den Yala Nationalpark. Wir haben uns für eine Ganztagssafari entschieden, man kann aber auch einen halben Tag buchen, dann würde ich Euch allerdings die Nachmittagssafari empfehlen. Kurz vor Dämmerung hat der Park sich nämlich von seiner allerbesten Seite gezeigt. Dieser Park war mit Abstand mein liebster. Wenn ihr euch also für einen Park entscheiden müsst, dann nehmt den Yala Nationalpark.
Wenn man im Internet ein bisschen recherchiert dann liest man oft das andere davon abraten diesen Park zu besuchen weil er viel zu überlaufen sei. Der Park ist in insgesamt 5 Blöcke unterteilt. Block 1 und 2 darf man besuchen, die anderen drei sind striktes Schutzgebiet das für Touristen nicht zugänglich ist. Block 1 soll tatsächlich grenzenlos überlaufen sein, Block 2 allerdings ist das absolute Gegenteil. Wenn ihr diesen Park also besuchen möchtet sprecht bei Buchung ab das ihr Block 2 besuchen möchtet und ihr werdet nicht enttäuscht.

Dieser Park ist einer der schönsten die ich je gesehen habe, und das auch vollkommen unabhängig von den Tieren die dort leben. Die Tiere sind quasi die Kirsche auf der Sahne des Eisbechers. Wir haben es unserem Guide zu verdanken das wir so viele verschiedene Tiere gesehen haben. Unser Guide hatte Augen wie ein Adler, was er alles entdeckt hat ist der absolute Wahnsinn. Von diversen Vögeln (Adler, Eisvögel, Bienefresser, Störche, Reiher, Nashornvögel – um nur einige zu nennen), über Krokodile, Mungos, Wasserbüffel, Elefanten, Rehe, Schweinchen, Hasen, Warane bis hin zum Rieseneichhörnchen und sogar dem König des Nationalparks, dem Leoparden, haben wir wirklich alles gesehen! Das lässt sich wirklich nicht in Worte fassen!

 

Diese Euphorie des Nationalparkbesuches hielt leider nicht lange an. Am nächsten Tag hat sich mein anfänglich merkwürdiges Gefühl im Magen zu einer echte Rasierklinge entwickelt.

Straßenhunde gibt es in Sri Lanka an jeder Ecke, traurig aber wahr. Im ganzen Land gibt es fast 3 Millionen Straßenhunde. Der Großteil der Bevölkerung lebt sehr einfach und hat im Grunde genommen kein Geld über um sich um die vielen hungrigen Mäulchen zu kümmern. Zudem fehlt einfach die Erfahrung im Umgang mit Hunden und auch Katzen. Es gibt dennoch viele liebe Menschen die sich der Tiere annehmen, in Kataragama ist das leider nicht so. Die Straßenhunde und Katzen von Kataragama sind in so einem schlechten Zustand wie wir es in keinem anderen Ort gesehen haben.

Wenn ihr mir auf Instagram folgt dann kennt ihr diese Geschichte bereits. Beim Schlendern über den Marktplatz haben wir dieses traurige Geschöpf entdeckt:

IMG_8263

Ich habe sofort – versteckt unter meiner Sonnenbrille – geheult. Ich kann nichts dagegen tun, es tat mir einfach so weh zu sehen wie sie sich quält, unsichtbar für die Menschen um sie herum. Das hat mein Herz gebrochen! Wirklich. Niemand hat sie wahrgenommen, mich dagegen haben alle angestarrt wie ich da heulend auf der Straße stehe zwischen all den gaffenden Männern. Ich möchte hier nicht zu sehr ins Detail gehen weil es einen eigenen Blogpost zum Thema Straßenhunde in Sri Lanka geben wird, es sei nur so viel gesagt wir konnten sie zum Tierarzt bringen und behandeln lassen und auch mit der Hilfe von WECare Worldwide sicherstellen das jemand ein Auge auf sie hat.
Ich weiß, auch viele Touristen stehen den Straßenhunden skeptisch gegenüber, gerade weil Tollwut hier leider immer noch ein Thema ist, und das kann ich verstehen. Ich bin auch alles andere als ein Hundeexperte, aber alle – wirklich alle – Straßenhunde die wir gesehen haben waren friedlich und freundlich. Kein einziger war aggressiv. Darum möchte ich euch um etwas bitten – egal in welchem Land ihr Urlaub macht: Gebt den armen Straßentierchen Wasser und etwas zu essen. Wenn ihr einen besonders schlimmen Fall seht erkundigt euch bei den Einheimischen ob es einen Tierarzt oder eine Tierschutzorganisation in der Nähe gibt. Wir hatten auch Hilfe von einem wahren Schatz. Sein Name ist Srinath. Als er gesehen hat das ich weine hat er sich sofort mit mir unterhalten und Hilfe angeboten. Auch wenn es auf den ersten Blick aussichtslos erscheint, wir können immer etwas tun. Und wenn diese Hilfe „nur“ aus Futter und Wasser besteht, sie rettet Leben und schafft Aufmerksamkeit, auch bei den Einheimischen. Sie nehmen die Straßentiere zum Großteil einfach anders wahr, aber auch ihre Wahrnehmung kann sich ändern wenn sie sehen wie ergriffen wir sind. Also zeigt Gefühle! Das ist kein Grund sich zu schämen, auch wenn man vielleicht doof angestarrt wird.

Selbstverständlich haben wir auch die berühmte Tempelanlage Ruhunu Maha Kataragama Devalaya besucht. Das Gelände ist relativ weitläufig aber sehr schön angelegt und die Tempel sind wunderschön. Am Wegesrand tummeln sich Affen, die es auf die Obstkörbe, die Gläubige als Opfergaben mitbringen, abgesehen haben. Es lohnt sich sie eine Weile zu beobachten, es ist wirklich zu witzig wie sie interagieren und wie gerade die Kleinen herumtollen. Auch hier hatten wir das Glück eine buddhistische und auch hinduistische Zeremonie zu sehen. So schön das auch wahr, ich kam mir dennoch dieses Mal ein wenig fehl am Platz vor und habe mich immer ein wenig abseits des Geschehens aufgehalten. Ich fand es falsch das die Touris sich hier möglichst noch vor die Gläubigen gestellt haben um Fotos zu schießen, anstatt die Gläubigen und ihre Gebete zu respektieren. Selbstverständlich würde nie jemand etwas sagen, dazu sind die Einheimischen viel zu höflich, aber ich finde – als Gäste – sollten wir uns auch respektvoll verhalten.

IMG_8108

Alles in allem hat mich Kataragama ziemlich erschlagen und ich brauchte nach dem Erlebten einige Tage um den Rest des Urlaubs genießen zu können. Vielleicht war es naiv von mir aber ich habe gedacht das man in einer heiligen Pilgerstadt mehr Liebe und Frieden spürt als Gleichgültigkeit.
Ich möchte trotzdem niemandem abraten die Stadt zu besuchen, im Gegenteil. Die Straßenhunde brauchen euch und den Yala-Nationalpark dürft ihr euch nicht entgehen lassen.

Tangalle

Die Strände haben wir uns für unsere letzten Tage in Sri Lanka aufgehoben. Von Kataragama ging es für uns per Bus nach Tangalle. Hier haben wir nur eine Nacht verbracht. Wir kamen relativ spät am Nachmittag an und sind sofort an den Strand gegangen. Dieser ist naturbelassen und sehr schön. Man kann nach Muscheln suchen oder einfach am Strand entlang direkt ins City Center bummeln. Tangalle hat außerdem eine wunderhübsche Strandpromenade mit vielen kleinen Restaurants und Bars.
Abends hatten wir noch etwas ganz Besonderes vor. Am Rekawa Beach kann man Schildkröten bei der Eiablage beobachten. Dies ist ausschließlich in geführten Touren möglich, zum Schutz der Schildkröten. Treffpunkt ist das Turtle Conservation Project. Hier erfährt man viele interessante Dinge über Schildkröten und wie diese Organisation sie schützt. Obwohl wir nicht in der Hauptsaison da waren hatten wir dennoch das Glück eine grüne Meeresschildkröte bei der Eiablage und ihrem Rückweg in den Ozean zu beobachten. Auch das war eines der Highlights für mich. Diese majestätischen, weisen Tiere hautnah zu erleben ist wirklich einmalig.

IMG_8278

 

Mirissa

Am nächsten Tag ging es für uns schon weiter nach Mirissa, wo wir zwei Nächte verbracht haben. Mirissa ist berühmt unter Surfern und für das Whale-Watching. Auch hier hört man immer wieder unschöne Geschichten über rücksichtslose Anbieter, doch man muss sich einfach vorab informieren und einen seriösen Anbieter auswählen. Natürlich leben die Veranstalter davon den Touristen Wale zu zeigen und keinen Wal zu sehen ist schlecht für’s Geschäft, aber es gibt durchaus gute Anbieter die versuchen sowohl den Kunden als auch den Bedürfnissen der Tiere gerecht zu werden.
Das Whale-Watching war für mich das nächste Highlight. Wir haben bereits in Kanada schon einmal Whale-Watching gemacht, was ganz ganz toll war, doch die Wale in Sri Lanka haben mich tatsächlich noch mehr berührt. Ihr denkt jetzt vielleicht „Man, Jessie ist aber echt ’ne absolute Heulboje“ aber glaubt mir, wenn ihr euch darauf einlasst, dann rührt die Natur euch auch zu Tränen. Diese riesigen sanften Tiere so nah erleben zu dürfen ist wirklich ein großes Geschenk. Sie wissen so viel mehr als wir. Sie sind so weise und gütig. Ich würde mir diese Erfahrung für jeden Menschen wünschen, und natürlich das endlich ein Umdenken stattfindet.

 
Nach diesem atemberaubenden Erlebnis waren wir ziemlich geschafft und haben den Rest des Tages am Strand ausgespannt. Das hatten wir uns nach dem bisherigen Non-Stop-Programm auch echt verdient finde ich.

Hikkaduwa

Der letzte Ort auf unserer Reise war Hikkaduwa, wo wie drei Nächte verbracht haben. Hier hatten wir ein kleines ruhiges Hotel gebucht. Genaugenommen war es ruhig bevor die Russen kamen. Hikkaduwa ist offenbar sehr hoch im Kurs bei russischen Touristen und sehr darauf ausgelegt, mit russischen Karten in Restaurants usw. An sich natürlich kein Problem, wenn sich alle rücksichtsvoll verhalten würden. Aber das ist nun mal die Kehrseite des Tourismus. Auch wir Deutschen glänzen ja nicht gerade mit unserem Verhalten im Ausland. Nichtsdestotrotz hatten wir ein paar schöne Tage hier, die wir mit Schnorcheln, gutem Essen und bummeln verbracht haben.
Leider sind durch den Tsunami im Dezember 2004 die meisten Korallen abgestorben, dennoch findet man noch immer viele Fische hier. Wir haben sogar einen Oktopus beim Schnorcheln gesehen, ein unheimlich interessantes Tier.
Wir haben außerdem die Tsunami Gedenkstätte und das dazugehörige Museum besucht, was mich sehr mitgenommen hat. Ich erinnere mich genau an die Nachrichten von damals, überall hörte man fast ausschließlich von Thailand, wie viele Touristen dort gestorben sind und wie furchtbar es dort die Menschen getroffen hat. Das Indonesien mit über 120.000 und Sri Lanka mit über 30.000 Todesopfern zu den Ländern gehören die damals am meisten betroffen waren kam bei mir damals gar nicht an. Die Bilder zu sehen, und dann von den Menschen zu hören das so gut wie niemand geholfen hat weil alle für Thailand gespendet haben hat mich wirklich zutiefst erschüttert. Es gab zum Glück eine Organisation die sich sehr in Sri Lanka engagiert hat, doch einfach war es nicht ohne die dringend benötigten Spendengelder. Zum Gedenken wurde eine 30-Meter-Hohe Buddhastatue errichten, so hoch wie die Welle damals. Wenn man am Fuße der Statue steht kann man kaum begreifen was hier geschehen ist.

 

Ich möchte meinen Post nun aber mit einer positiveren Note enden lassen, denn etwas ganz Besonderes hatten wir hinter unserem Hotel an unserem kleinen privaten Strandabschnitt, und zwar einen Fischkindergarten! Der Strandabschnitt dort ist relativ felsig, was den kleinen Fischen aber genau die Sicherheit gibt die sie brauchen. Es ist so lustig und auch interessant zu sehen wie sie dort spielen – ja Fische tun das tatsächlich – futtern und einfach umher schwimmen. Ich weiß, die meisten Leute interessieren sich überhaupt nicht für Fische und nehmen sie nicht einmal als Tiere wahr, aber sie sind so viel mehr und sie haben ganz einfach mehr verdient. Schaut auf jeden Fall mal genau hin wenn ihr in Hikkaduwa seid, es gibt eine Menge zu entdecken, wenn man bloß die Augen offen hält.
Besonders schön sind auch die Sonnenuntergänge gewesen. Auf den Malediven hatten wir immer pinkfarbene Sonnenuntergänge, in Sri Lanka dagegen sind sie golden. Das waren die schönsten Sonnenuntergänge die ich je gesehen habe.

Das werde ich nie vergessen.

Ich werde Sri Lanka nie vergessen.

Das war eine aufregende Achterbanfahrt. Ich habe viel geweint, vor Glück und auch weil ich so ergriffen war. Ich habe alles so intensiv erlebt und gefühlt wie noch in keinem anderen Land zuvor.

IMG_8554

Verfasst von

Storyteller. Traveler. Nature Lover.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s