Fleisch ist gesund

Ein Radiosender aus Niedersachsen hat eine interessante Umfrage gestartet:

Soll die Massentierhaltung in Niedersachsen abgeschafft werden?

Dazu konnte anonym abgestimmt werden – was denkt Ihr wie das Ergebnis ausfiel?

Ich muss gestehen, ich war extrem überrascht als ich heute morgen das Ergebnis hörte, aber vielleicht bin ich auch einfach nur zu naiv? Hätte ich mir eigentlich denken können. Es sagen zwar immer alle „Wir kaufen nur Bio“, aber wer kauft dann bitte das ganze Billigfleisch? (Und Bio heißt außerdem auch nicht artgerechte Haltung.)

Also 54% sind tatsächlich FÜR Massentierhaltung.

Super waren dazu auch die eingespielten Kommentare von einigen Hörern. Also so lange alles anonym ist hauen die Leute echt raus. „Die Kinder haben Hunger, da muss das Fleisch billig sein, und das geht nur in der Massentierhaltung.“
Äh….ok.

Solche Umfragen/Diskussionen wecken ja immer sofort mein Interesse, also habe gleich auf der Facebook-Seite des Senders nachgeschaut ob es dazu vielleicht einen Post gibt.
Ich schaue tatsächlich die Kommentare zu solchen Beiträgen durch, jedenfalls so lange bis ich auf 180 bin, denn meist läuft es immer auf das selbe hinaus. Eine sachliche Diskussion findet man so gut wie nie, was allerdings bei dem gequirlten Unsinn den manche Leute da schreiben auch nicht weiter verwunderlich ist. Zu finden war dort also die übliche Diskussion zu Massentierhaltung, Tierwohl, Umwelt, Veganer-sind-doof-und-Fleischesser-sind-noch-viel-doofer, Ihr kennt das sicher.

Was für mich allerdings neu war, war das Argument der Pro-Fleisch-Fraktion: Fleisch ist gesund!

Der Fleischkonsum in Deutschland ist extrem hoch. Laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft isst jeder Deutsche durchschnittlich 59 Kg Fleisch pro Jahr.

Das ist erstmal eine Hausnummer!

Entsprechend viel Fleisch muss eben auch „produziert“ werden (da ja offenbar alle so viel Wert auf gesunde Ernährung legen) und das geschieht durch Massentierhaltung, denn die Leute wollen es möglichst billig.

Zu sagen das Fleisch gesund ist und ich es ja essen muss damit ich gesund bleibe finde ich, vorsichtig formuliert, ziemlich bescheuert (und ich gehe hier gar nicht darauf ein warum Fleisch eben nicht gesund ist.)
Ok, aber mal im Ernst. Wir leben hier in Deutschland. Wir bekommen hier jedes Lebensmittel das wir uns wünschen, zu wirklich günstigen Preisen. Und dann kommen Leute daher und behaupten nur mit Hilfe von Fleisch könnten sie sich gesund ernähren? Das leuchtet mir echt nicht ein. Jedes Vitamin, jedes Spurenelement oder jeden Mineralstoff bekomme ich auch aus pflanzlichen Lebensmitteln – und nein, das geht ganz ohne Nahrungsergänzungsmittel. Also ich hoffe Ihr sitzt wenn Ihr jetzt weiterlest, denn ich – als jahrelang vegetarisch und nun seit knapp 2 Jahren vegan lebender Mensch – habe noch nicht ein einziges mal Vitamin B12 über ein Nahrungsergänzungsmittel zu mir nehmen müssen, und ich lebe tatsächlich immer noch. Kaum zu glauben, ich weiß. Meine Blutwerte sind top, ich bin gesund und munter.

Nehmen wir aber mal für einen winzigen Augenblick an das Fleisch tatsächlich gesund sei, rechtfertigt das dann etwa die bestialischen Methoden der Fleischindustrie? Das ist eine Frage die ich mir unweigerlich stelle. Viele Leute halten an der Vorstellung fest, das glückliche kleine Schweinchen auf der Wiese herumtollen bis sie dann eben total sanft und liebevoll geschlachtet werden. Sorry, aber mittlerweile wissen wir alle das die Realität anders aussieht. Also heißt das neuste Argument eben „Aber Fleisch ist nun mal gesund. Was soll ich denn machen wenn ich mich gesund ernähren möchte? Ich muss ja Fleisch essen.“ Das heißt dann aber im Umkehrschluss das Leiden anderer ist mir schnurzegal, Hauptsache mir geht es gut. Das finde ich genauso erschreckend wie die Illusion von den glücklichen Schweinchen.

In Vietnam werden noch immer Bären in grausamen Gallefarmen gehalten. Sie vegetieren gebrochen, verstümmelt  und mit entzündeten Wunden einsam und eingesperrt dahin, damit ihnen Gallensaft abgezapft werden kann. In der chinesischen Medizin heißt es nämlich das dieser Gallensaft Augen- und Leberbeschwerden lindert.
Ist das dann auch ok? Ist ja schließlich wichtig für die Gesundheit.

In China werden Hunde und Katzen noch immer gegessen. Gerade dem Hundefleisch wird dort nachgesagt das es sehr gesund sei, egal bei welchen Beschwerden. Wenn also jemand krank ist, dann sollte er Hundefleisch essen und es würde ihm schnell besser gehen.
Das ist dann wohl auch ok?
In der chinesischen Medizin gelten so einige abstoßende Dinge als Wunderheilmittel, so z.B. auch gemahlene Tigerknochen.
Aber hey, so lange es gut für die Gesundheit ist, ist doch nichts dabei oder?

Oder etwa doch? Wer jetzt aufschreit das könne man nicht vergleichen, der belügt sich selbst und entlarvt sich gleichzeitig als Verfechter des Speziesismus.

Egal welches Argument vorgebracht wird, es hat immer den selben Ursprung. Ich bastel‘ mir einfach die Rechtfertigung zusammen die gerade passt. Die rede ich mir dann so lange ein bis sie zu meiner Wahrheit geworden ist. So wird auch jedes Gegenargument plattgemacht, frei nach dem Motto wenn ich möchte das alles pink und fluffig ist, dann ist es auch so.

Verfasst von

Storyteller. Traveler. Nature Lover.

4 Kommentare zu „Fleisch ist gesund

  1. Die Lösung wäre langfristig resourcenschonend im Labor erzeugtes In-Vitro-Fleisch – künstliches Muskellzellgewebe ohne lebendes Tier. Sobald das technisch machbar ist, sollte das auf breiter Front propagiert werden… Als Nicht-Vegetarier esse ich bis dahin meine rund 5 Kilo Fleisch pro Jahr überwiegend von Wildtieren, da diese nicht in Ställen gequält wurden. Bin Flexitarier und esse ab und zu Wildschweinschinken und Fisch aus zertifiziert nachhaltiger Fischerei (keine überfischten Arten). LG!

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  2. Massentierhaltung heißt KZs für Tiere. Es gibt kein „billiges“ Fleisch. Nachhaltig erzeugtes Fleisch, Wild und Demeter-Biofleisch ist zwingend teuer und begrenzt. Wenn jemand Fleisch nicht als Luxusprodukt, sondern als Billigprodukt ansieht, kauft und konsumiert, dann quält er damit passiv Tiere.

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  3. wow, so viel dummheit wenn es um fleisch geht.
    als vegetarierin nehme ich auch milchprodukte zu mir.
    mit der gewinnung durch massenhaltung bin ich nicht zufrieden, doch leider gibt es keine biomilch die laktosefrei ist.
    also ein permanent schlechtes gewissen beim verzehr?!
    auf fleisch kann ich gern verzichten gerade wegen der massenhaltung und dadurch bedingten quälerei.
    wo bleibt das gewissen und empathie für unsere mitgeschöpfe?

    Gefällt 1 Person

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