Die Jagd – gesellschaftlich akzeptiertes Töten

Wir Menschen sind Jäger und Sammler, so sagt man.

Mein Neffe hat zu seinem 4. Geburtstag eine Spielzeugwaffe bekommen, so etwas wie ein Automatikgewehr. Er hat sich gefreut und sofort angefangen damit zu schießen. Natürlich ermutigt von allen Anwesenden (bis auf wenige Ausnahmen). Seine Uroma bemerkte dann das Kinder alles mögliche als (Spielzeug-)Waffen benutzen, Stöcke zum Beispiel, das läge uns allen im Blut.

Ist das so?

Zumindest ist ein Großteil von uns Menschen offenbar fasziniert davon Gott spielen zu können, über Leben und Tod zu entscheiden. Wie ich das einfach behaupten kann? Beispiele für diese Theorie gibt es leider haufenweise.

Das Thema „Jagd“ ist eines über das ich oft nachdenke, schon allein weil ich mich sehr für Wölfe interessiere und der Abschuss von Wölfen immer und überall lautstark gefordert wird. Nun sind wir Menschen leider nicht gerade dafür bekannt das wir vernünftige und intelligente Entscheidungen treffen (auch wenn wir natürlich immer das Gegenteil behaupten), gerade in der Politik nicht. Oftmals geht es beim Für und Wider zu bestimmten Themen nur um Politik, so auch bei diesem Thema. Wie kann man sich am besten darstellen und möglichst viele Wählerstimmen kassieren?

Hat der Mensch früher vielleicht noch gejagt um zu überleben, so tut er das heute einzig und allein aus dem Spaß daran.

Nein, es hat nichts mit Naturschutz zu tun, wie einem der Jagdverband ja immer einreden will. Ohne das Eingreifen der Jäger oder Förster würde das Ökosystem zusammenbrechen. Na klar. Das der Mensch aber überhaupt erst ein instabiles Ökosystem kreiert hat wird natürlich nicht erwähnt.

Ich habe vor ein, zwei Wochen ein Radiointerview gehört, mit einer jungen Jägerin. Sie wurde interviewt weil Schützenvereine momentan offenbar einen riesigen Zulauf erleben, gerade von jungen Leuten. Diese Jägerin war gerade mal 18 Jahre alt und erzählte dann lauter fragwürdige Dinge, warum sie das Jagen so liebt. So sagte sie z.B. das nicht grundlos getötet wird. Ah ja. Es würden nur ältere oder kranke Tiere geschossen. Interessant. Im nächsten Satz sagt sie, das man im Zeitalter der Massentierhaltung so quasi sein eigenes Biofleisch herstellen würde. Wie passt das bitte zusammen wenn angeblich nur alte und kranke Tiere geschossen werden? Will sie also behaupten das sie die kranken Tiere dann später verzehrt?

Immer wieder ein gern gebrachtes Argument: „Ohne unser Eingreifen würde das einfach nicht funktionieren.“ Gemeint ist, das bestimmte Arten sich unkontrolliert vermehren, und so Böden und Pflanzen dauerhaft schädigen. Im Normalfall reguliert die Natur so etwas selbst. Doch das geht bei uns natürlich nicht mehr. Warum? Tja, weil die schlauen Jäger die natürlichen Feinde ausgerottet haben. Bären, Wölfe, Luxe wurden allesamt vertrieben. In Deutschland gibt es daher kaum mehr große Raubtiere die den Bestand an Wild regulieren würden, doch das hat der Mensch zu verantworten! Aber das passt den Jägern natürlich super in die Argumentation, können sie doch so sagen das sie den Wildtierbestand regulieren müssen!

Nachdem sich der Wolf wieder angesiedelt hat gibt es fast täglich Aufschreie, man müsse Wölfe doch abschießen dürfen! Die Wölfe würden angeblich unkontrolliert Schafe reißen, und sogar kleine Hunde töten, Gott bewahre vielleicht sogar Kinder! Da kann man wirklich nur mit dem Kopf schütteln.  Nun, wenn die schießwütigen Jäger vielleicht nicht einfach alles abknallen würden, könnte der Wolf sich einfach an sein „normales“ Beuteschema halten.

Und nein, das ist keine Verschwörungstheorie, das ist einfach nur die Wahrheit.

Als zum Beispiel die Engländer nach Neuseeland kamen, brachten sie Rehe mit damit sie etwas zum jagen haben. Das bisher gut funktionierende Ökosystem in Neuseeland wurde so leichtsinnigerweise aufs Spiel gesetzt. Das war natürlich vollkommen egal, Hauptsache die feinen Herren können Wild schießen. Und wie praktisch, da die Rehe die einheimische Flora und Fauna durcheinander brachten musste man sie ja töten.

Warum sind Menschen so fasziniert davon Leben zu nehmen? Als wir in Neuseeland waren, waren wir teilweise mit einem privaten Busunternehmen unterwegs. Dieses Unternehmen bot auch gleichzeitig Aktivitäten, wie Bungeejumping oder auch das Abschießen von Ziegen an. Ihr denkt ich mache Witze? Leider nein! Auf einer Farm in Neuseeland wird den Gästen (überwiegend sehr junge Leute, die nach der Schule Work & Travel in NZ machen, also so zwischen 19-21 Jahre alt sind) der Abschuss von Ziegen angeboten. Diese Ziegen sind selbstverständlich keine einheimische Art, sie wurden einzig und allein ausgewildert damit die Touris was zum schießen haben. Hätte ich das vorher gewusst hätte ich mich niemals dazu entschieden auf dieser Farm zu übernachten. Nun hatten wir gehofft das wir davon wenigstens nichts mitbekommen, aber die Leute müssen ja prahlen mit ihren Morden. Ein Satz ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben und ich bekomme immer noch eine Gänsehaut und würde mich am liebsten übergeben wenn ich daran denke.

Ein junges Mädchen hat zwar keine Ziege getötet aber ein Kaninchen. Das hat sie dann mit Hilfe der Angestellten gehäutet und zum Abendessen zubereitet. Während sie dann so in der Gemeinschaftsküche stand und davon erzählte sagte sie vollkommen begeistert: “Das Beste war das Geräusch wenn man die Haut abzieht.“ Echt jetzt????

Sorry, aber das ist doch der Satz eines Psychopathen. Wie kann man so ein Geräusch toll finden?

Ich bin wirklich noch Jahre später vollkommen fassungslos.

Ein anderes wirklich herzzerreißendes Beispiel ist der Fall Josh Bowmar, der einen Bären auf bestialische Weise mit einem Sperr getötet hat und sich darüber dermaßen gefreut hat das man wirklich seinen Geisteszustand in Frage stellen muss. Das Ganze ist mittlerweile im August 2 Jahre her aber auch das ist etwas das ich einfach nicht vergessen kann. Josh Bowmar ist gewissermaßen eine Berühmtheit, was schon widerlich genug ist. Er jagt leidenschaftlich gern und stellt Videos davon ins Internet. Sein Youtube-Kanal hat über 40.000 Abonennten, sein Instagram Account sogar fast 100.000, was traurigerweise meine Theorie bestätigt. Menschen sind fasziniert von Tod und Gewalt. Sie wollen sich allmächtig fühlen, über Leben und Tod entscheiden.

Da bei uns in Deutschland alle großen Räuber ausgerottet wurden müssen sich unsere Jäger mit Wild begnügen. Wer sich also keinen Jagdurlaub in Afrika leisten kann, der muss einheimische Tiere töten um sich stark zu fühlen.

Also fassen wir zusammen: Der Mensch rottet alle natürlichen Feinde des „naturzerstörenden“ Wildes aus und ist nun leider gezwungen den Wildbestand selbst zu regulieren. Und selbst diese fadenscheinige Rechtfertigung ist Unsinn, denn wie schon gesagt reguliert die Natur sich selbst. Wenn der Bestand der Rehe beispielsweise auf einem Rekordhoch ist, so werden sie schon sehr bald ihre Nahrungsressourcen aufgebraucht haben. Einige Tiere werden dann vielleicht sogar verhungern, sicher ist, das sie im folgenden Jahr deutlich weniger Nachwuchs haben werden. So relativiert sich die Population und die Natur würde sich von ganz allein erholen. Das passt den Jägern so aber natürlich nicht in den Kram also wird manipuliert um so wenigstens an den Tieren Gott spielen zu können.

 

 

 

Verfasst von

Storyteller. Traveler. Nature Lover.

4 Kommentare zu „Die Jagd – gesellschaftlich akzeptiertes Töten

  1. Ich habe zwar nur die ersten paar Zeilen gelesen, aber ich kann dir leider nicht recht geben!
    Egal wie viele Wölfe wir hier wieder ansiedeln könnten, es ist nicht möglich das sie es jemals schaffen könnten die Populationenen zu reduzieren. Das wüsste man aber wenn man sich mit dem Thema intensiv beschäftigt hätte.
    Zweitens sind unsere Flächen in Deutschland viel zu klein und durch Städte zerschnitten.
    Aber das stimmt natürlich, entweder ich lasse „die Natur alles Regeln“ dann steigt die Inzucht ins unermessliche, es entstehen neue Seuchen und die Tiere verenden qualvoll oder wenn sie nicht her hungern wollen kommen sie in die Städte. Da frag ich mich nur warum sich dann jeder beschwert wenn Fuchs, Wildschwein und co den Garten zerwühlen. Die wollen doch schließlich auch nur leben !

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    1. Hallo Verena.
      Kritik finde ich gut, denn das fördert den Dialog, allerdings würde ich Dich dann bitten auch den kompletten Post zu lesen, denn ich habe nie behauptet das Wölfe oder andere Raubtiere den kompletten Wildbestand regulieren.
      Außerdem sind all die Punkte die Du hier anbringst bereits widerlegt. Das kannst Du auch gern hier nachlesen: https://www.peta.de/jagdirrtuemer

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