Warum haben wir solche Angst vor dem Älterwerden?

Früher gehörte man mit 30 schon zum alten Eisen. Das lag damals daran, dass die Lebenserwartung der Menschen noch nicht annähernd so hoch war wie unsere, doch diese harmlose kleine Zahl ist auch heute noch der Grund für Panik(mache) und schlaflose Nächte. Warum ist das eigentlich so?

Bei uns im Büro ist die große 30 der absolute Aufreger. Rückt der 30. Geburtstag näher, so ist die betroffene Person Hohn und Spott ausgesetzt und ist selbst auch vollkommen aufgelöst bei dem bloßen Gedanken daran 30 zu werden.

Doch es gibt auch mich, die sich weder aus der 18, der 21, der 30 oder der 40 etwas macht. Das stößt auf Abneigung. Es haben gefälligst alle Panik vor dem Älterwerden zu haben. Wo kommen wir denn sonst hin?

Je nach Tagesform rege ich mich über dieses Unverständnis auf oder muss einfach nur herzhaft darüber lachen.

Einen einzigen Grund akzeptiere ich, der 30 skeptisch gegenüber zu stehen, und das ist der Kinderwunsch von Frauen. Klar bekommen heutzutage viele in ihren 40ern oder sogar 50ern Kinder, doch möchte man das wirklich? Das muss natürlich jeder selbst entscheiden, aber die meisten möchten Ende 20, Anfang 30 schwanger werden und da ist es absolut legitim kurzzeitig in Panik zu verfallen wenn die 30 naht und der ersehnte Kinderwunsch noch unerfüllt ist.

Doch was bitte stimmt mit all den anderen nicht?

Ich glaube es gibt drei Faktoren, die diese Angst vor dem Älterwerden schüren.

Unzufriedenheit

Viele Menschen sind unglücklich in ihrer aktuellen Lebenssituation. Meist liegt es daran das man sich sein Leben einfach anders vorgestellt hat. Ich denke wirklich das geht dem Großteil so, doch auch dieser Großteil tut kaum bzw. gar nichts dagegen. Viele „arbeiten“ immer auf dieses ominöse „später“ hin, was eigentlich noch weniger Sinn macht wenn man Angst vor dem Älterwerden hat, denn „später“ ist man ja dann logischerweise noch älter. Dennoch wird – anstatt im Hier und Jetzt zu leben und seine Zeit zu nutzen – bis zum Umfallen gearbeitet um das Haus abzubezahlen, das Auto, den nächsten Urlaub oder die neuen Hightech-Spielereien und die Designerklamotten. So entsteht sehr schnell das Gefühl das einem die Zeit davon läuft, sprich je älter ich werde, desto mehr Zeit habe ich „verschwendet“ oder nicht zu meiner Zufriedenheit genutzt. Nur jeder einzelne selbst kann diesen Teufelskreis durchbrechen.

Sobald Euch das gelingt ist das Älterwerden kein angsteinflößendes Gruselszenario mehr. Es ist einfach eine spannende Reise.

Gesellschaftsdruck

Wir leben heute mehr denn je in einer Gesellschaft die Ihr Augenmerk auf jung, schlank, sportlich, schön und erfolgreich setzt. Ja, es gibt durchaus auch deutlich mehr „ungewöhnliche“ Models in der schönen bunten Werbewelt, aber so sehr man auch darauf rumreitet, die Wahrheit ist, das die 40 + Models eben einfach mit Fotoshop glattgebügelt werden. Älter ist also halbwegs ok, aber alt aussehen auf keinen Fall. Und so stehen wir Normalos eben vor dem Spiegel und sehen vielleicht die ersten Falten und grauen Haare und bekommen einen mittelschweren Panikanfall. Dieser Wunsch nach einem vermeintlich jungen, frischen Aussehen geht für mich fast Hand in Hand mit dem erstgenannten Punkt. Wenn ich glücklich und zufrieden bin mit mir und meinem Leben, dann spiegelt sich das auch in meinem Äußeren wieder. Natürlich verschwinden durch Glück allein keine Falten und grauen Haare aber das gehört einfach zum Leben dazu. Das soll nicht heißen das ich vollkommen über all dem stehe. Auch ich entdecke Falten und schlaffere Haut an mir auf die ich gut verzichten könnte, doch sich selbst deswegen fertig zu machen kostet nur wertvolle Zeit.

Altersvorsorge

Ich habe vor kurzem einen Artikel gelesen, in dem es um die Angst der Mittelschicht vor der Altersarmut ging. Das ist ein Riesenthema, auch in meinem Bekanntenkreis. Von der älteren Generation wird man fast in Grund und Boden gebrüllt wenn man noch kein Haus hat bzw. eines abbezahlt und auch meine Generation scheint sich sehr schnell verrückt zu machen. Die Versicherungsgesellschaften schüren diese Angst, denn sie verdienen ja daran. Wir Deutschen sind sowieso große Versicherungsliebhaber, wenn dann noch jemand ein bisschen Angst und Furcht sät, werden gleich haufenweise dubiose Altersversicherungen abgeschlossen und schnell noch mal ein Haus oder eine Wohnung gekauft. Verseht mich nicht falsch, ich will den Wohnungs- oder Hauskauf auf keinen Fall mies machen, aber man darf solch eine Entscheidung nicht aus Angst heraus treffen, denn hier schließt sich der Kreis wieder. Um mein Haus bis zur Rente abzubezahlen muss ich (als jemand mit einem ganz normalen Angestelltengehalt) dementsprechend viel arbeiten, was mich höchstwahrscheinlich unglücklich macht weil ich keine oder wenig Zeit für Freunde, Familie und Hobbies habe.

Ich würde mir wünschen das wir alle ein bisschen mehr in der Gegenwart leben, nicht der Vergangenheit nachtrauern und auch keine Angst haben vor der Zukunft.

Wir sind auf einer einzigartigen Reise. Jeder von uns hat seine eigene Reiseroute, die nicht in Stein gemeißelt ist. Es ist ok Abzweigungen zu nehmen, in einer Sackgasse zu landen und einfach noch mal umzudrehen.

Das ist Leben.

Älterwerden bedeutet zu lernen. Es bedeutet an Erfahrung zu gewinnen und sich selbst immer besser kennenzulernen. Andere Kulturen haben das schon vor langer Zeit entdeckt. Sie schätzen ihre älteren Generationen, die Weisheit des Alters. Das finde ich wunderschön.

 

Verfasst von

Storyteller. Traveler. Nature Lover.

2 Kommentare zu „Warum haben wir solche Angst vor dem Älterwerden?

  1. Altersarmut fängt im Kopf an, denn der Weisheit im Arm fehlt der Mut sodann. Möchtest du nicht lieber wissen wie Frau und Mann der Alzheimer Wortfindungsstörung im Alter (die nicht gerade von Altersweisheit zeugt) entgehen kann? Wenn du diesbezüglich fürs Alter vorsorgen möchtest, so studiere den nachfolgenden Blog, sicherlich erfährst du dabei, ab und zu, einen Erweckungsschock: http://upvs.wordpress.com/

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