Dezember-Blues

Ich freue mich jedes Jahr auf den Dezember. Ich stelle mir vor, wie ich über den Weihnachtsmarkt bummele, etwas Leckeres trinke und durch die Stände stöbere. Ich backe Kekse und sitze mit meinem Kaffee auf dem Sofa, schaue Serien, drücke die Katzen. Ach, der Dezember ist so schön…oder? Die Lichter, die gemütliche Weihnachtsdeko, Zeit mit der Familie….

Moment mal, Zeit?

Genau das ist das Stichwort. Die Zeit läuft mir nämlich jedes Jahr davon. Im Endeffekt bin ich überwiegend genervt (von der Arbeit und den gestressten Leuten überall) und selbst an den Feiertagen habe ich wenig Zeit das zu tun, was ich eigentlich am liebsten machen würde.

Ich vermisse Menschen mit denen ich Weihnachten nicht mehr feiern kann, weil sie nicht mehr da sind, oder ärgere mich darüber das ich es nicht schaffe alle anderen lieben Menschen die ich sehen möchte unter einen Hut zu bekommen.

Ich bin kein Grinch, ich mag Weihnachten sehr, obwohl es mir zunehmend schwerer fällt dieses typische Weihnachtsfeeling zu bekommen.

Um die Weihnachtszeit herum werde ich immer extrem melancholisch. Ich finde gerade Weihnachten führt einem brutal vor Augen was man vermisst, was man erreichen wolle im letzten Jahr und was man nicht geschafft hat. Das klingt jetzt vielleicht sehr hart, aber bei mir ist das wirklich so.

Und dann die gefürchtete Frage, die ich mir jedes Jahr stelle:

Was hast Du dieses Jahr eigentlich gemacht?

Habe ich die vergangenen 365 Tage gut genutzt? Ich muss dann immer an Sprüche denken wie „Lebe jeden Tag so als ob es Dein letzter wäre“. Dieser Satz – der ja eigentlich Mut machen soll – ist irgendwie nicht durchdacht. Klar ist da etwas dran, aber wer kann das bitte so umsetzen, unter uns 0815 Otto Normalverbrauchern? Ich glaube viele Menschen in meinem Alter können sich den Luxus gar nicht leisten über diesen Satz nachzudenken. Sie zahlen Haus und Auto ab, müssen die Familie durchfüttern, das Schullandheim und den Musikunterricht zahlen und fallen Abends todmüde ins Bett. Ich falle auch jeden Abend müde ins Bett, obwohl ich mich, außer um mich selbst, nur um meine Sternchenpfoten kümmern muss. Trotzdem laugt mein Alltag mich aus, mehr als mir lieb ist muss ich gestehen. Und viel zu oft lasse ich mich von ihm überrollen, dabei möchte ich das gar nicht!

Da ich nun aber jemand bin der ständig über irgendwelche Dinge nachdenkt, beschäftige ich mich eben auch ab uns zu mit diesem Satz, besonders gern zum Jahresende.

Das Allerschlimmste für mich ist ein verlorenes Jahr. Das ist ein Jahr das einfach so dahinplätschert, ohne das ich etwas gelernt, erlebt oder mitgenommen habe. Alltagsbrei verteilt auf 12 Monate sozusagen. Solche Jahre hatte ich durchaus schon.

Natürlich hat man immer irgendetwas erlebt, aber ich meine etwas Besonderes. Nun liegt es natürlich an mir selbst dafür zu sorgen, das mein Jahr kein zäher, klumpiger Brei ist sondern ein buntes Curry!

Ich bin kein Typ der alles bis ins kleinste Detail plant, obwohl ich mich als Planer bezeichne. Was ich aber tatsächlich jedes Jahr plane sind Reisen. Ich muss mindestens einen schöne Reise machen, entweder in ein Land in dem ich noch nie war oder eines das mir besonders am Herzen liegt. Das kann man relativ einfach planen und umsetzen. In den letzten Jahren habe ich das immer getan und auch dieses Jahr kann ich einen Haken daran machen.

Reisen sind für mich etwas ganz Besonderes, und auf gar keinen Fall selbstverständlich.

Witzigerweise sind die Pläne für mein every day life deutlich schwieriger zu realisieren, und gerade das ist ein Punkt mit dem ich dann unzufrieden bin. Ich weiß wo ich hin möchte, doch weiß ich manchmal nicht wie ich es am Besten anstelle. Viele Wege führen nach Rom, und vermutlich nehme ich noch ein paar Abzweigungen mit. Ich hoffe und wünsche mir für mich selbst, das ich dranbleibe und mich nicht entmutigen lasse, denn gerade zum Jahresende stelle ich alles in Frage.

Die Melancholie verfliegt genauso schnell wie sie gekommen ist. Dann habe ich wieder Mut und Tatendrang, aber in diesen 72 Stunden an Weihnachten hat sie mich fest im Griff.

 

Verfasst von

Storyteller. Traveler. Nature Lover.

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