Religion – ein praktisches Werkzeug zur Mobilisierung der Massen?

Eigentlich wollte ich heute etwas über mein neues Lieblings-Make-up posten aber aufgrund der aktuellen Geschehnisse erscheint mir das irgendwie unangebracht.

Gestern gab es auf der Sinai-Halbinsel einen der schlimmsten Anschläge in der Geschichte Ägyptens. Bei einem Angriff auf eine Moschee starben über 300 Menschen, mindestens 100 Menschen sind verletzt.

Ich habe die Nachricht gestern auf der Arbeit im Radio gehört und ich war fassungslos. Noch immer habe ich eine Gänsehaut und Tränen in den Augen.

Warum?

WARUM passiert so etwas?

Diese Frage stelle ich mir immer wieder.

Einfach nur weil manche Menschen sich für besser als andere halten? Weil sie meinen das ihre Religion, ihre Überzeugung die einzig Wahre ist und ihnen deshalb das Recht gibt über Leben und Tod zu entscheiden?

Man geht zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, das der IS hinter dem Anschlag steckt, doch bekannt hat sich dazu bisher niemand offiziell. In den TV-Nachrichten und im Internet habe ich erfahren, das es sich bei dieser Moschee um eine Sufi-Moschee handelt. Sufismus ist eine mystische Strömung des Islam. Extremisten betrachten Anhänger dieser Strömung als Ungläubige. Wenn man sich ein bisschen mehr mit dem Thema beschäftigt, dann erfährt man das es – ähnlich wie es im christlichen Glauben die Katholiken und Protestanten gibt – verschiedene Glaubensrichtungen des Islam gibt. Die beiden Größten sind die Sunniten und die Schiiten. Zwischen beiden Richtungen herrscht ein jahrhundertealter Konflikt. So kam und kommt es aktuell auch immer wieder zu Anschlägen und Verfolgungen, denn – vereinfacht gesagt – hält die eine Gruppierung sich für besser als die andere. Das ist aber keinesfalls etwas das nur im Islam geschieht, nein, das passiert überall und in allen großen Weltreligionen:

Blutige Glaubenskriege zwischen Katholiken und Protestanten z.B., oder hinduistische Hardliner die sogar ein Kopfgeld auf eine indische Schauspielerin aussetzen weil sie ihren aktuellen Film „anstößig“ finden. Koptische Christen werden in Ägypten verfolgt und regelrecht hingerichtet. Die muslimischen Rohingya werden in Myanmar vertrieben und getötet. Das grenzt an einen Völkermord. Einer der schlimmsten Völkermorde in gar nicht all zu ferner Vergangenheit ist der unvorstellbar grausame Genozid in Ruanda, bei dem die katholische Kirche ihre Finger im Spiel hatte.

Ich beschäftige mich aktuell sehr viel mit dem Thema Religion und möchte deshalb meine Gedanken mit Euch teilen.

Religion ist ein ganz schwieriges Thema. Eines, das man am besten gar nicht erst anspricht, ähnlich wie Politik oder Sport. Viele Menschen reagieren sofort extrem empfindlich und fühlen sich schnell angegriffen, was wiederum dazu führt das sie sofort in den Verteidigungsmodus springen und dann sind rationale Argumente eh komplett vergessen.

Ich möchte gleich zu Anfang klarstellen das ich kein Religionsgegner bin, im Gegenteil. Ich finde verschiedene Religionen sehr spannend und ich akzeptiere und respektiere jede Religion.

Es ist für mich allerdings ein Thema, dass viele Fragen aufwirft.

Ich stelle mir die Frage, was Religion eigentlich mit uns macht, wie sie uns und unser Weltbild verändert und warum sie seit Anbeginn der Menschheit schon immer als wertvolles Instrument zur Mobilisierung der Massen und vor allem zum Durchdrücken eigener Interessen missbraucht wurde und noch immer wird.

Religion sollte doch eigentlich ein Zufluchtsort sein, etwas Friedliches, etwas Schönes. Ein Miteinander, gegenseitige Unterstützung, daran möchte ich jedenfalls glauben, und das ist es sicher auch in vielen Gemeinden. Wenn man sich jedoch unsere Geschichte ansieht, dann wird deutlich das Religion schon immer eher politisches Instrument als Zufluchtsstätte war.

Nun ist es natürlich sehr einfach und überaus praktisch bestimmte Religionsgruppen zum Sündenbock zu degradieren. Warum? Ganz einfach, weil jeder mitmacht.

Religion ist absolut.

Religion wird nicht in Frage gestellt.

Menschen werden seit Anbeginn der Zeit aufgrund ihrer Religion verfolgt und getötet, ganz egal welcher Religion sie angehören, eine ist eben immer die vermeintlich falsche. Doch ich möchte behaupten in 99% der Fälle geht es gar nicht um die Religion an sich, sie ist einfach nur Mittel zum Zweck. Es geht immer darum politische Interessen durchzudrücken, Macht und Einfluss auszubauen. Und da wir Menschen – ähnlich wie ich zu Anfang sagte – sich Religion als sicheren Hafen wünschen sind wir, glaube ich, auch so leicht steuerbar und übernehmen schnell religiöse Werte und Überzeugungen ohne sie wirklich zu hinterfragen. Wir fühlen uns geborgen und sicher in der Gemeinschaft. Und wenn meine Religion nun ein bestimmtes Verhalten rechtfertigt, dann kann es doch unmöglich falsch sein, oder?

Gerade heute, bei allem was aktuell passiert, fühlen wir uns oft verloren. Man fragt sich was überhaupt noch wichtig ist und Religion kann hilfreich sein um wieder eine Konstante im Leben zu finden. Das wissen vor allem die Puppenspieler, die unter dem Deckmantel der Religion gerade viele junge Menschen täuschen, anlocken und durch ihre Gehirnwäsche abhängig machen. Das funktioniert ganz einfach.

Nehmen wir als Beispiel einfach mal die Bibel.

Sie ist Jahrtausende alt. Ich finde sie alles andere als einfach zu lesen. Viele Formulierungen sind überhaupt nicht eindeutig und lassen viel Spielraum zur Interpretation. Darum gibt es Pastoren, die haben studiert und können uns beim Verständnis helfen. Soweit so gut. Doch wie schon damals in der Schule sind Interpretationen doch eher subjektiv. Wenn man nicht so interpretierte wie der Deutschlehrer dann bekam man eben eine schlechte Note. Was ich damit sagen will ist, dass doch eigentlich niemand wirklich sagen kann was mit bestimmten Formulierungen gemeint war oder nicht. Da klatschen die Puppenspieler natürlich in die Hände weil sie alles so auslegen können wie es ihnen gerade passt um uns bestmöglich steuern zu können. Dann holen sie sich – je nach Religion – einen Priester, Imam oder Mönch mit ins Boot der all die religiösen Thesen bestätigt die sie aufstellen, und alle Schäfchen glauben fest daran.

Meiner Meinung nach ist aber nicht die Religion an sich der vermeintliche Feind. Es ist nicht der Islam oder das Christentum. Es ist oft nur eine Person (oder eine kleine Personengruppe) die ihre eigene Ideologie verbreiten will, und zwar um jeden Preis. Sie halten sich für unantastbar, für besser als alle anderen. Und jeder der seine (oder ihre) Meinung nicht teilt wird als Ungläubiger abgestempelt und verfolgt. In manchen Fällen lassen sie Gnade walten, wenn die „Ungläubigen“ zu ihrer Religion überlaufen. Nur wenn sie sich ihren Ideologien unterwerfen haben sie eine Chance zu überleben. Das diese Ideologien oft grausam und ungerecht sind spielt dabei natürlich keine Rolle. Solche Menschen sind raffinierte Meister der Manipulation, mit psychologischem Knowhow.

Die Geschichte zeigt wie leicht Menschen sich dazu bringen lassen schreckliche Dinge zu tun, die sie vorher wahrscheinlich nie für möglich gehalten haben.

Wir hier in der westlichen Welt denken gern das Christentum sei gütig und großzügig, kein Vergleich zum „radikalen Islam“. Ich verstehe nicht wie die Menschen darauf kommen. Es gibt z.B. diverse Skandale der Katholischen Kirche oder man muss einfach einen Blick in die Geschichtsbücher werfen. Schon in Kolonialzeiten wurden Ureinwohner abgeschlachtet wenn sie nicht die Religion der Kolonialherren annahmen. Warum? Weil man sie durch Religion einfach viel leichter kontrollieren kann und wer sich weigerte, sich der Kontrolle entziehen wollte, der wurde eben umgebracht.

Ich hatte vorher schon den Genozid in Ruanda angesprochen. Dies war trauriger „Höhepunkt“ jahrelanger Konflikte zwischen den beiden größten Bevölkerungsgruppen, den Hutu und den Tutsi. 1994 wurden in Ruanda ca. 800.000 (!!!) Menschen (Tutsi und gemäßigte Hutu) von radikalen Hutu-Milizen getötet. Diese Hutu-Milzen bestanden nicht etwa nur aus Soldaten und Militär nein, jeder (!) hat mitgemacht, 14-Jährige wurden zu Mördern und Vergewaltigern. Was hat das mit dem Christentum zu tun fragt Ihr Euch? Nun, die katholische Kirche war maßgeblich beteiligt. Seit Kolonialzeiten schürten sie die Missgunst zwischen den Tutsi und den Hutu. Dieser Konflikt spitzte sich immer weiter zu bis eben ein verheerender Bürgerkrieg ausbrach. Viele Menschen flüchteten damals in Kirchen auf der Suche nach Schutz, doch auch dort fanden sie nur den Tod. Sie wurden ausgeliefert oder gleich vor Ort getötet. Das ist doch einfach unfassbar, oder? Dafür fehlen mir wirklich die Worte!

Und wer jetzt sagt, ach das ist ja Jahre her und war außerdem in Afrika, der verschließt die Augen vor der Wahrheit. Es ist immer so schön einfach zu sagen „Bei uns passiert so etwas ja nicht“. Doch das stimmt nicht. Nehmen wir doch mal den Ku-Klux-Klan. Der ist noch immer aktiv, gibt sich heute allerdings moderater oder agiert im Untergrund. Den Ku-Klux-Klan kennt man als eine rassistische Organisation, doch sie sehen sich selbst als eine radikal-protestantische Organisation. Ihre Einstellungen und Vorgehensweisen sehen sie keinesfalls im Gegenspruch zur Bibel, im Gegenteil. Sie beziehen sich sogar auf Passagen aus der Bibel die ihr Verhalten rechtfertigen. Hier schließt sich wieder der Kreis. Ich nehme mir einen Bibelvers und interpretiere ihn so wie es mir am besten passt.

Selbst wenn Religion nicht in der Kriegsführung eingesetzt wird, so ist sie auch im Alltag äußerst praktisch um Menschen zu kontrollieren. Es wird ein bisschen Druck aufgebaut und mit Belohnungen gelockt. Im christlichen Glauben gibt es ja bekanntermaßen die 10 Gebote. Das ist ja erstmal nichts Schlechtes. Allerdings werden diese immer gleich mit einer Strafe präsentiert wenn man sich nicht an sie hält. Denn dann kommt man eben nicht in den Himmel sondern in die Hölle um dort auf Ewig im Feuer zu lodern. Ähnlich ist das bei den Hindus, die an Wiedergeburt glauben. Ich bin also in diesem Leben ein guter Mensch damit ich im nächsten Leben nicht als Borkenkäfer wiedergeboren werde. Also aus beiden Beispielen hört man heraus das man tunlichst ein guter Mensch sein soll, und das ist natürlich erst mal eine gute Sache. Das sollten wir alle versuchen. Doch irgendwie klingt das für mich so eigennützig. Ich bin ein guter Mensch damit ICH in den Himmel komme, also damit es sich für MICH lohnt.

Sollte man aber nicht vielmehr ganz uneigennützig ein guter Mensch sein, einfach so, ohne persönliche Belohnung?

Ich bin immer sehr nah am Wasser gebaut. Bei Nachrichten wie über den gestrigen Anschlag bin ich immer fix und fertig. Dann wird mir häufig gesagt warum ich denn heulen würde, als ob DIE weinen würden wenn uns etwas passiert. Aber darum geht es doch gar nicht. Darf ich nur mitfühlend sein wenn die andere Person im Gegenzug auch mit mir mitfühlt? Das ist doch total banane! Also mal ehrlich, das ist wie wenn man Person X ein tolles Weihnachtsgeschenk kauft aber nur wenn man mindestens ein genau so tolles Geschenk dafür zurückbekommt. Was ist das für eine Einstellung? Da haben wir dann wieder die „persönliche Belohnung“. Warum sollte ich mitfühlend sein, oder mich an die 10 Gebote halten wenn ich dafür gar nichts bekomme?

Vielleicht fragt ihr Euch was ich mit all dem überhaupt sagen will.

Ich wünsche mir einfach, das wir diese Schwarz-Weiß-Denken ablegen.

Ich wünsche mir, das wir anfangen uns zu informieren, und Dinge hinterfragen, genauso wie die Überzeugungen mit denen wir aufgewachsen sind. Es ist normal das man als Kind erst mal die Meinungen seiner Eltern übernimmt, vielleicht auch später dann die der Freunde.

Hass zwischen Religionsgruppen oder Menschen verschiedener Hautfarben ist tief verwurzelt und wird von Generation zu Generation weitergegeben und nicht hinterfragt. Warum ist das so? Irgendwann bin ich doch in der Lage mir meine eigene Meinung zu bilden. Warum tue ich das dann nicht?

Ein sehr weiser Mann sagte einmal: „Darkness cannot drive out darkness, only light can do that. Hate cannot drive out hate, only love can do that.“ (Martin Luther King, Jr.)

Das sollten wir nicht vergessen.

 

Verfasst von

Storyteller. Traveler. Nature Lover.

Ein Kommentar zu „Religion – ein praktisches Werkzeug zur Mobilisierung der Massen?

  1. Hallo, ja das Leben in der BRD ist nicht einfach. Es gibt aber eine Lösung für all dieses und die Lösung ist schon aktiv. Vielleicht solltest du mal auf die Webseite schauen oder dir Mittwochs und Sonntags die Sendung im Webradio anhören.Hier die Links > https://www.verfassunggebende-versammlung.com und
    das ddbradio http://www.ddbradio.org mit Studiotelefon und Sendeplan ist für die Menschen eingerichtet. Die Zukunft liegt auch in deinen Händen….

    Liken

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