Lebe lieber ungewöhnlich

Gibt es eigentlich noch diese Abitur-Jahrgangsbücher? Diese Bücher, die man zum Abschluss des Abiturs bekommt, wo über jeden Schüler und jeden Lehrer mehr oder weniger interessante Anekdoten und Stories zu lesen sind? Wir mussten damals auch einige Fragen beantworten, so eine Art Steckbrief, darüber was man gern mag, wo man sich später sieht, das Übliche eben. Eine Frage mit der ich mich unheimlich schwer tat, war die nach einem Lebensmotto.

Warum muss man überhaupt ein Lebensmotto haben?

Warum kann man nicht einfach leben?

Witzigerweise war genau das vor einigen Wochen Thema im Radio. Ich musste wirklich lachen über manche dieser Lebensmottos. „Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu.“ Ernsthaft? Als Kuh wird man doch heutzutage sowieso nicht mehr wirklich alt. Wem ein Motto hilft, dem sei es natürlich gegönnt, für mich sind das im Grunde genommen leere Phrasen. Und genau so eine Phrase schrieb ich damals für unser Jahrbuch auf, ohne zu wissen das genau dieser lahme Satz für mich irgendwie wahr werden würde. Schon ein bisschen verrückt oder?

Mir fiel wirklich absolut nichts ein, doch freilassen wollte ich die Zeile auch nicht. Auf einmal hatte ich den Titel eines Filmes im Kopf den ich vor Jahren einmal sah und ehrlich gesagt nicht mal gut fand: Lebe lieber ungewöhnlich. Ohne weiter nachzudenken schrieb ich diesen Satz in den Bogen, obwohl er damals so weit entfernt von meinem Leben war wie nur irgendetwas.

Heute, einige Jahre später, passt er allerdings recht gut zu meinem Leben. Nicht das ich ein super außergewöhnliches Hollywood-Blockbuster-mäßiges Leben hätte, aber ich führe eines, das der Norm des Otto Normalverbrauchers nicht entspricht, und das irritiert die Menschen.

Ich habe ein Jahr im Ausland verbracht und als ich wieder nach Deutschland kam hatte ich diesen tollen Plan das ich mein ganzes Leben umkrempeln würde. Ich wollte Biologie studieren und endlich beruflich etwas tun in dem ich voll aufgehe. Den Plan musste ich relativ schnell wieder verwerfen, doch das war nicht weiter schlimm. In dem Moment in dem aus einer winzigen Schneeflocke, einem winzigen Aufblitzen meiner lange begrabenen Ideen und Träume, ein Schneeball wurde, da wusste ich das alles anders werden kann, ohne das ich mich an all den nichtssagenden Phrasen orientieren muss. „Träume nicht Dein Leben sondern Lebe Deinen Traum“ – Schön und gut, aber bitte auf meine Weise!

Ich habe einen Sachbearbeiterjob im Büro ohne Ambitionen auf eine steile Karriere in diesem Beruf.

Ich möchte keine Kinder.

Ich möchte kein Wohneigentum (jedenfalls kein Reihenhaus oder eine Eigentumswohnung).

Ich bin nicht an materiellen Dingen interessiert (Markenklamotten bzw. Marken im Allgemeinen, Autos etc.).

Offenbar sind all das Gründe für andere Menschen mit den Augen zu rollen und mich „ungewöhnlich“ zu finden. Besonders der erste Punkt macht die Leute immer ganz nervös.

Warum gibt es für viele Menschen nur ihren Job?

Warum definieren wir uns so extrem über unsere Arbeit?

Bin ich ein besserer Mensch, nur weil ich eine hohe Position in irgendeinem gesichtslosen Unternehmen habe? Ich denke nicht. Versteht mich nicht falsch, es ist toll wenn man in seinem alltäglichen Job voll aufgeht (aus den richtigen Gründen) doch ich denke dieses Glück haben die Wenigsten und es ist auch nicht für jeden von uns erstrebenswert oder machbar. Ich bin zu dem Schluss gekommen, das man auch einfach einen Job haben kann der ok ist, mit netten Kollegen, und vernünftigen Arbeitsbedingungen.

Weder für Frauen noch für Männer ist das ein akzeptables Lebensmodell in unserer Gesellschaft. Sie diktiert uns ein Lebensmodell, das so viele von uns dermaßen verinnerlicht haben, so das sie ganz irritiert sind wenn jemand aus dieser Norm ausbricht. Als Mann muss man sowieso der Karrieretyp schlechthin sein und als Frau hat man bitte Kinder zu bekommen wenn man schon keine Karriere macht.

Warum ist es nicht erstrebenswert glücklich und ein netter Mensch zu sein?

Wenn ich einen bestimmten (kostspieligen) Lebensstil anstrebe (Haus, Auto etc.) dann muss ich entsprechend viel arbeiten um mir dies auch leisten zu können. Das ist ein Kreislauf aus dem ich mich kaum befreien kann, wenn ich Haus und Auto abbezahlen muss. Ich bin abhängig und somit auch perfekt lenkbar.

Wenn mir diese Dinge jedoch nicht (oder weniger) wichtig sind, bin ich unabhängig, dann bin ich frei.

Meiner Meinung nach ist das deutlich erstrebenswerter, oder was meint ihr?

Verfasst von

Storyteller. Traveler. Nature Lover.

4 Kommentare zu „Lebe lieber ungewöhnlich

  1. jeeeees! freiheit. von vielen missverstanden. nicht autos machen frei… frei macht zeit zu haben, mit der bahn zu fahren u am Bahnhof auch auf verspätete Züge gelassen zu warten. zb. danke für deinen Beitrag u alles gute auf deinem weg in die freiheit! lg!

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