Zoo – lebenslange Haft für Tiere oder sommerlicher Familienspaß?

Gerade im Sommer haben Zoos Hochsaison. Während der Sommerferien hat einer der bremer Radiosender jeden Tag Familienausflüge verlost, leider fast ausschließlich Ausflüge in Zoos oder Tierparks. Ich muss gestehen, das hat mich so aufgeregt das ich zwei mal über den Studiobutton meinen Unmut rausgelassen habe. Ich weiß, viele werden jetzt sagen, dass das vermutlich keiner der Verantwortlichen gelesen hat, aber ich habe mich ein klitzekleines bisschen besser gefühlt und ich finde es richtig und wichtig seine kritische Meinung zu äußern. Je mehr Menschen das tun, desto mehr würden die Verantwortlichen vielleicht auch mal darüber nachdenken was sie anbieten und was nicht. Immerhin ist unser Einfluss als Konsument / Nutzer / Hörer nicht gerade unerheblich.

Zeit mit der Familie verbringen ist an sich eine super Sache, Ausflüge selbstverständlich auch und gerade Kinder mögen Tiere sehr gern. Da ist ja erstmal auch nichts falsch dran. Doch warum muss man sich dann mit den Kleinen lebenslänglich eingesperrte Tiere ansehen? Ich bekomme auf diese Frage oft Antworten wie „Die Kinder sollen die Tiere doch auch mal in echt sehen“ oder „XY mag aber doch Tiger soooo gern“. Hmm…. aber wenn XY Tiger doch so gern mag, dann möchte XY doch bestimmt das es ihnen gut geht, oder? Entgegen der leider viel verbreiteten Meinung muss ich hier klipp und klar alle Illusionen zerstören: Nein, es geht weder Tigern noch anderen Tieren in Zoos wirklich gut. Es gib haufenweise Bildmaterial von verhaltensgestörten Tieren und von Pflegern die gewalttätig gegenüber den Tieren sind. Die Besucher sehen dies doch selbst wenn sie im Zoo sind. Wie kann man das bitte nicht sehen bzw. sich bewusst dafür entscheiden dies nicht sehen zu wollen?

Ja, Tiere sind wunderschön, sie sind fantastisch! Aber es gibt nichts Vergleichbares als ein Tier in Freiheit zu beobachten. Das ist ein atemberaubendes Erlebnis. Warum sollte man stattdessen lieber ein eingesperrtes, gebrochenes Lebewesen anstarren wollen? Mir ist auch klar, das viele Menschen einfach kein Geld haben sich z.B. einen Urlaub nach Namibia zu leisten um dort Löwen und Elefanten in freier Wildbahn zu bewundern und sich dann sagen „Hey, da gehe ich doch lieber in einen Zoo bevor ich die Tiere niemals zu Gesicht bekomme“. Doch was ich daran nicht verstehe ist, offensichtlich mögen diese Menschen ja Tiere, sonst würden sie sie nicht sehen wollen, dennoch unterstützen sie mit ihrem Zoobesuch Gewalt gegen Tiere. Ich bin also wichtiger als das Wohlergehen der Tiere die ich angeblich so gern habe, oder wie soll man das verstehen? Schönreden bringt hier auch nichts, außer das ich natürlich mein Gewissen beruhige obwohl ich sicher tief in mir drin weiß das all diese Rechtfertigungen Unsinn sind. Wenn ich mich mit anderen Leuten über dieses Thema unterhalte stoßen mir oft Aggressionen entgegen. Und warum? Weil die Menschen sich ertappt fühlen, und weil es unangenehm ist wenn jemand die Wahrheit laut ausspricht.

Das Leben eines Tieres im Zoo hat rein gar nichts mit seinem natürlichen Verhalten oder Lebensraum zu tun. Zoos fördern auch nicht den Artenerhalt, wie ja auch so gern als Argument vorgebracht wird. Wo werden Zootiere denn bitte erfolgreich ausgewildert? Wie oft wird der Nachwuchs der Zootiere einfach getötet aus Platzmangel oder anderen hirnverbrannten Gründen? Warum wird überhaupt gezüchtet?

Es gibt sicher einige Zoos die „besser“ sind als andere, die sich vielleicht mehr Mühe mit der Gestaltung der Gehege und Pflege der Tiere geben, aber dennoch ist die Realität nicht von der Hand zu weisen. Tiere gehören in die Freiheit! Und genau das sollte auch den Kindern vermittelt werden. Da sind natürlich in erster Linie die Eltern gefragt. Warum den lieben Kleinen nicht erklären das unsere heimische Tierwelt auch total spannend ist? Müssen es immer Löwen und Tiger sein? Warum nicht in die heimischen Wälder gehen, dort Tiere beobachten und mit den Kids auf Entdeckungstour gehen? Klar, dazu müssten Mama und Papa sich natürlich auch mit der heimischen Natur auskennen, doch wer tut das heute noch? Ist doch viel bequemer einfach in den nächstbesten Zoo zu fahren. Alle anderen machen es ja auch, also was sollte falsch daran sein?

Ich habe hier noch ein ganz simples Gedankenbeispiel. Was wäre wenn ich für den Rest meines Lebens meine Wohnung nicht mehr verlassen dürfte? Nehmen wir einmal an mein Essen, und alles andere was ich zum Leben brauche, wird mir geliefert. In meiner Wohnung geht es mir dann ja offensichtlich gut. Ich hätte genug Lebensmittel, TV und Internet (ich könnte mich also beschäftigen) und einen Balkon auf dem ich bei schönem Wetter auch mal sitzen könnte. Alles tutti quasi, ich darf bloß nie wieder vor die Tür. Fände ich das auf Dauer gut? Also ich für meinen Teil kann sagen das fände ich ziemlich bescheiden. Ich bin mir sicher die meisten von Euch (wenn nich sogar alle) sehen das genauso. Warum ist es nun aber ok genau das Tieren anzutun?

Verfasst von

Storyteller. Traveler. Nature Lover.

2 Kommentare zu „Zoo – lebenslange Haft für Tiere oder sommerlicher Familienspaß?

    1. Ich verstehe Deinen Kommentar leider nicht. Wo lebst Du denn das Du Angst haben musst gefressen zu werden?

      Zoos sind in erster Linie Wirtschaftsunternehmen, das heißt es geht um Profit und nicht um Artenerhalt. Paragraph 42 des Bundesnaturschutzgesetzes besagt „Zoos sind dauerhafte Einrichtungen, in denen lebende Tiere wild lebender Art zwecks Zurschaustellung während eines Zeitraumes von mindestens 7 Tagen im Jahr gehalten werden.“ Der Zweck eines Zoos ist also die Unterhaltung von Menschen.
      Was nützt es denn einem Tier in Gefangenschaft vor dem Aussterben bewahrt zu werden? Schau Dir doch dazu einmal die traurige Geschichte der tasmanischen Tiger an.
      Viele in Gefangenschaft geborene Tierarten können grundsätzlich nicht ausgewildert werden, da ihre Instinkte verkümmern und sie überlebenswichtige Verhaltensweisen gar nicht erst erlernen können. Artenschutz heißt nicht möglichst viele Tiere einer gefährdeten Art in Gefangenschaft nachzüchten, sondern sie in ihrem natürlichen Lebensraum effektiv zu schützen.
      Zudem gehören über 85% aller Tierarten in deutschen Zoos nicht zu gefährdeten Arten.

      Liken

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