Die Sojabohne – der neue Staatsfeind Nr. 1?

Zu meiner großen Überraschung sehe ich mich in letzter Zeit recht häufig mit Vorurteilen zum Thema Soja konfrontiert. Die kleine niedliche Sojabohne ist immer öfter Auslöser für hitzige Diskussionen. Bekennende Soja-Gegner werfen mit allerlei Behauptungen um sich über die ich manchmal bloß lachen kann, so lächerlich sind sie. Allerdings scheint hier auch eine große Verunsicherung zu bestehen, wahrscheinlich einfach nur aufgrund fehlender Informationen. Darum möchte ich diesem Thema einen Post widmen, da auch ich mich immer häufiger verteidigen muss als mir lieb ist, nur weil ich gelegentlich Tofu esse und Sojamilch trinke (was im Übrigen nicht nur Vegetarier und Veganer tun).

Besonders witzig finde ich immer das Soja in einem Atemzug mit Palmöl genannt wird. Das eine hat doch rein gar nichts mit dem anderen zu tun. Plötzlich muss ich mich als Soja-Konsument Vorwürfen stellen, dass wegen mir Regenwälder für Palmölplantagen abgeholzt werden. What?! Toll ist auch, das solche Palmöl-Vorträge meist von nutellaessenden Wichtigtuern kommen, die offensichtlich nicht mal den Unterschied zwischen Palmöl und Soja kennen. Ich vermute das wird in einen Topf geworfen weil für den Sojaanbau, ebenso wie für Palmöl, Regenwald abgeholzt wird. Während Palmöl in der Kosmetikindustrie und für viele Backwaren, Streichfette etc eingesetzt wird, so wird Soja in erster Linie als Mastfutter für Nutztiere eingesetzt. Nur etwa 1% (!) der weltweiten Sojaernte wird zu Soja-Lebensmitteln verarbeitet. Darauf gehe ich später noch einmal genauer ein.

Sojabohnen sind in vielen Ländern der Welt ein wichtiger Eiweiß- und Nährstofflieferant. Soja enthält alle essentiellen Eiweißbausteine (Aminosäuren) die unser Körper nicht selbst herstellen kann und ist in unverarbeiteter Form (z.B. als Tofu) sehr fettarm. Das klingt doch durchaus positiv, warum wird Soja nun also permanent niedergemacht? Zum Einen hört man immer wieder Soja sei gesundheitsschädlich. Kritiker führen z.B. an, dass die in der Sojabohne enthaltenen Isoflavone unseren Hormonhaushalt beeinflussen können. Dies ist wichtig zu wissen wenn man Schilddrüsenbeschwerden hat, da durch Isoflavone die Bildung von Schilddrüsenhormonen gemindert werden kann (was nicht heißt das es zu 100% passiert). Bei gesunden Menschen (die keine Probleme mit der Schilddrüse haben) gibt es keine Hinweise auf negative Auswirkungen!

Ein weiterer Vorwurf ist der, dass Soja krebserregend sein soll. Dazu gibt es keinerlei fundierte wissenschaftliche Beweise. Das ist wirklich nur ein Gerücht das sich hartnäckig hält obwohl es wie gesagt nicht einen Beweis dafür gibt. Es gibt im Gegenzug allerdings mehrere Studien die belegen das Soja sogar krebsvorbeugend sein kann. Beispielsweise sind die Brust- und Prostatakrebsraten in Asien (wo sehr viel Soja verzehrt wird) deutlich geringer als bei uns. Zudem wirkt Soja sich positiv auf Wechseljahresbeschwerden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus.

Der nächste Vorwurf, der 2.häufigste der mir um die Ohren gehauen wird: Es gibt nicht eine Sojabohne die nicht genetisch verändert wurde. Ich muss zugeben, dieses Vorurteil bewahrheitet sich zum Teil, denn laut einer WWF-Studie sollen tatsächlich rund 80% des aus Nicht-EU-Ländern importierten Sojas Gentechnik enthalten. Als Hauptexporteure sind hier die USA, Brasilien und Argentinien zu nennen. Insofern ist es wichtig beim Kauf von Soja-Lebensmitteln darauf zu achten das sie kein Soja aus den oben genannten Ländern enthalten. In der EU ist der Anbau von gentechnisch verändertem Soja zudem verboten und in Deutschland müssen verarbeitete Lebensmittel gekennzeichnet werden. Wenn ich also Soja-Produkte kaufe dann sollte ich unbedingt auf folgende Label achten: das BIO Label, das „gentechnikfrei“ Label oder das „Ohne Gentechnik“-Logo. Es gibt zudem verschiedene Hersteller von Sojaprodukten, wie z.B. Taifun oder Alpro Soja die extrem hohe Kontrollstandards haben wenn es darum geht den Weg der Sojabohne vom Ursprungsland bis hin zum fertigen Produkt zu überprüfen. Das kann man sehr schön auf den jeweiligen Homepages der Firmen nachlesen.

So einfach haben es die Fleischesser allerdings nicht. Der Großteil des genveränderten Sojas landet nämlich im Futtertrog unserer Masttiere. Lebensmittel von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert werden, müssen nicht gekennzeichnet werden. Das ist kein Scherz! Ist das nicht erschreckend? Futtermittel mit gentechnisch veränderten Inhaltsstoffen sind zwar kennzeichnungspflichtig – aber nur gegenüber dem Tierhalter, der das Futter kauft. Fleisch, Eier und Milch von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden, müssen nicht gekennzeichnet werden und wandern so in unsere Supermärkte. Also liebe Fleischesser, da würde ich mir jetzt aber mal ernsthaft Gedanken machen, denn der Großteil des genmanipulierten Sojas landet über Umwege auf Euren Tellern.

Das bringt mich zum letzten Vorwurf: Der Sojakonsum von Vegetariern und Veganern zerstört den Regenwald. Auch hier könne ich in schallendes Gelächter ausbrechen, wäre es nicht so ein ernstes und erschütterndes Thema. Denn Eines ist ganz klar, der Regenwald stirbt.

In der deutschen Massentierhaltungen gibt es, etwa 12,6 Millionen Rinder, 27,5 Millionen Schweine, 1,6 Millionen Schafe und 39,6 Millionen Legehennen. Um diese Tiere zu ernähren müssen Futtermittel importiert werden da wir nicht genug Anbaufläche haben um diese selbst anzubauen. Hauptbestandteil des Futters für unsere Nutztiere ist Soja, da es besonders eiweißreich ist. Diese Sojabohnen werden auf riesigen Plantagen in Südamerika auf Flächen angebaut, auf denen vorher wunderschöne, einzigartige, tropische Regenwäldern standen. 80% dieser Sojabohnen landen als Mastfutter in den Massentierhaltungen von Nordamerika und der EU, 10% werden zu Agrartreibstoffen verarbeitet, 9 % werden in der Margarineherstellung verwendet und etwa 1 % für andere Soja-Lebensmittel.

Die Fakten sind einfach nicht von der Hand zu weisen. Nicht der Konsum von Soja-Lebensmiteln zerstört den Regenwald, sondern der horrende Fleischkonsum der Industrieländer.

Auch hier gibt es Stimmen die das Gegenteil behaupten, und ich bin dem selbstverständlich nachgegangen. Ich fand einen Artikel, in dem der Autor behauptete, dass die auf gerodeten Flächen angebauten Sojabohnen in erster Linie für Öko-Brennstoffe herhalten müssen, und nur die Abfallprodukte in der Tiermast landen. Je mehr ich jedoch las, desto mehr entpuppte sich der Artikel als eine Hetze gegen Peta und wirkliche Beweise oder Quellenangaben zu seinen Behauptungen fehlten. Als ich dies zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal nachlesen wollte gab es diesen Artikel nicht mehr bzw. nur in einer geänderten Version die eben nichts mehr von dem behauptete was ich zuvor las. Was ist da nun also dran? Ich bin rauf und runter durch das Internet gesurft, habe aber keinen Beweis oder weitere Artikel oder Hinweise dazu gefunden. Jede Seite die ich zu dem Thema „Soja zerstört den Regenwald“ aufrief hat die oben genannte Aussage bestätigt, nämlich das Soja in erster Linie als Mastfutter angebaut und genutzt wird.

Ich wollte dies hier dennoch nicht unerwähnt lassen, da es ein schöner Beweis dafür ist, dass Menschen gern einfach irgendwelche Lügen verbreiten (im Grunde genommen egal zu welchem Thema) um ihre eigene Sicht der Dinge zu promoten.

Darum ist dies auch ein Appell an uns alle sich besser zu informieren. Ich tue das auch, denn ich möchte mir sicher sein das meine Behauptungen stimmen bevor ich mich zu weit aus dem Fenster lehne und ich würde mir wünschen das andere dies auch tun. Denn gerade diese „Meinungen“ werden übernommen, weitergetragen und ernsthaft geglaubt, oft sogar über Generationen – das muss man sich mal vorstellen – ohne das sich jemand die Mühe macht selbst zu checken ob diese Meinungen auch wirkliche Fakten sind. Gerade heute, wo jeder sein Smartphone kaum aus der Hand legt, ist es ein Leichtes Informationen zu bekommen. Doch hier ist man wieder zufrieden wenn man einen „Beweis“ (der ja eigentlich keiner ist sondern bloß eine Meinung) gefunden hat, welcher der eigenen Meinung entspricht. Das finde ich sehr schade. Bitte informiert Euch so gut Ihr könnt. Wissen ist die beste Waffe im Kampf gegen Vorurteile und Angriffe aus der Fleischfraktion.

 

 

 

Verfasst von

Storyteller. Traveler. Nature Lover.

Ein Kommentar zu „Die Sojabohne – der neue Staatsfeind Nr. 1?

  1. Sehr guter Artikel :).

    Diese Anti-Sojadebatten veranlassen mich auch immer wieder mit dem Kopf zu schütteln. Vor allem weil Sojaprodukte dann gerne mal abfällig bezeichnet und als total gesundheitsschädlich dargestellt werden, Hinweise auf Gensoja in Tiertrögen und dessen Auswirkungen auf die eigene Gesundheit aber gerne ignoriert werden.
    Es ist prakrisch so, dass manche nur hören wollen was sie wollen. Was schade ist.
    Soja führe zu Unfruchtbarkeit und ließe Männern Beüste wachsen. Ja, da gibt es zwei, drei dokumentierte Fälle. Aber diese Herren aßen dann auch ca. 14 bis 20 Portionen Soja täglich und das über einige Jahre. Und so viel Soja isst normalerweise niemand. Ja das liebe Phytoestrogen…

    Lerztens behauptete jemand er äße Soja nur wie es die Japaner täten. In fermentierter Form als Sojasoße oder Miso. Ja genau, die Japaner essen ja keinen Tofu usw.

    Das ist ähnlich wie der Hype um Gluten.
    Da werden Lebensmittel ohne fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse verteufelt. Aber tatsächliche wissenschaftliche Erkenntnisse wie dass verarbeitetes Fleisch ein Karzinogen ist, das wird getrost ignoriert. Mit anderen Worten: Soja ist der letzte Rotz das würde man niemals essen, aber Gensoja im Tierfutter oder dass Speck ein Karzinogen ist, ist egal.
    Wer so argumentiert, der braucht mir nichts von gesundheitlichen Bedenken in Bezug auf Ernährung zu erzählen.

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