Die Malediven – Traum oder Albtraum?

Die Malediven. Kleine, verträumte Inseln, wunderschöne weiße Sandstrände, kristallklares Wasser, ein Paradies auf Erden aber vor allem ein Reiseziel für die Schönen und Reichen. Das ist es doch was man als erstes im Kopf hat wenn man an die Malediven denkt, oder? Das ging mir nicht anders. Während ich jedoch nach einem neuen Urlaubsziel suchte, bin ich durch Zufall auf das Barefoot Eco Hotel gestoßen, das mir auf den ersten Blick recht sympathisch erschien, ist es doch keines dieser Luxus-5-Sterne-Bonzen-Hotels. Ich fing als an mich ein wenig über die Malediven zu informieren. Ich las viel Positives und auch Negatives, entschied mich aber dennoch zu buchen, nicht zuletzt weil ich eine absolute Wasserratte bin und es liebe zu Schnorcheln. Nachdem ich dort nun 10 Tage im Barefoot Eco Hotel, auf der Insel Hanimaadhoo verbracht habe, hat die Realität meine Vorstellungen doch ein wenig revidiert. Viele meiner Erwartungen haben sich zwar bewahrheitet, mindestens genau so viele allerdings auch nicht.

thecatcus maldives 2

Das Barefoot Eco Hotel präsentiert sich im Internet als Eco Lodge, die besonderen Wert auf Nachhaltigkeit, Ökotourismus und Naturschutz legt. Das hat mich sofort angesprochen, denn all diese Dinge sind mir persönlich unheimlich wichtig. Außerdem las ich, dass das Hotel umgeben von unberührtem Wald sei, was ich ebenfalls super fand, wollte ich doch unbedingt einmal die maledivischen Flughunde sehen. Die Insel Hanimaadhoo klang für mich zudem interessant, da sie eine der größeren Inseln ist, auf der auch Einheimische leben. Wenn ich in ein fremdes Land reise, dann bin ich – abgesehen von Tieren und Natur – immer am echten Leben interessiert. Ich möchte mich nicht hinter Hotelmauern verstecken sondern sehen wie die Menschen dort leben.

Auch die Fotos des Hotels im Internet waren sehr ansprechend und ich hatte ein super Angebot gefunden. Kurzerhand entschied ich mich zu buchen und Ende Juni flogen wir also auf die Malediven.

Wir flogen mit Emirates über Dubai nach Malé und von dort aus noch einmal ca. 1 Stunde nach Hanimaadhoo. Dort angekommen habe ich sofort den ersten Mückenstich eingesackt, noch während wir im Flughafen waren, also Insektenschutzmittel sollte man wirklich am besten noch im Flieger auftragen wenn man von Moskitos so belagert wird wie ich. Wir wurden von einem sehr netten Fahrer des Hotels abgeholt und in wenigen Minuten zum Barefoot Hotel gebracht. Als wir dort ankamen wurden wir angenehm überrascht mit einem kostenlosen Upgrade. Gebucht hatten wir die günstigste Kategorie, den Seaside Room, bekommen haben wir aber dann eines der Beachfront-Zimmer, die einen wirklich traumhaften Ausblick bieten. Schon auf dem Weg zu unserem Zimmer durch einen wunderschön angelegten Garten konnten wir die beeindruckende Blutsaugeragame sehen, die auf den Malediven heimisch ist.

Eine Kleinigkeit stoß uns allerdings auch gleich etwas negativ auf, und zwar hat das Hotel seine eigene Uhrzeit, und diese ist eine Stunde später als die reale Zeit. Als Grund dafür nennt das Hotel die Tatsache das es auf den Malediven sehr früh dunkel wird (Sonnenuntergang ist zwischen 18:30 und 19:00 Uhr) und man möchte das die Gäste möglichst viel erleben/unternehmen können. Das ist zwar durchaus nett gemeint, aber uns – und auch alle anderen Gäste mit denen wir ins Gespräch kamen – hat das doch gestört. Frühstück gibt es beispielsweise bis 10:30 Uhr (Barefoot-Zeit), was aber eigentlich 09.30 Uhr ist. Für jemanden der im Alltag um 06:30 Uhr aufsteht ist das schon ein Downer, denn im Urlaub schlafe ich gern aus. Auch die Tauch- bzw. Schnorchelausflüge fangen bereits um 09:00 Uhr bzw. 09:30 Uhr an, somit hatte sich das Ausschlafen erledigt.

Neben kostenpflichtigen Ausflügen bietet das Hotel aber auch jeden Tag um 14.50 Uhr kostenlose Schnorchelausflüge an, denn das Hausriff ist nicht direkt vom hoteleigenen Strand erreichbar. So schön es auch ist direkt vom Strand aus los zu schnorcheln, so fand ich ich gerade diese Tatsache super, denn so sind die Korallen besser geschützt, soweit jedenfalls meine Vorstellung. Unser erste Schnorcheltour war dann leider sehr ernüchternd. Zusammen mit unserem Guide sind wir zum Hafen gefahren um von dort aus mit dem Dhoni, einem traditionellen maledivischen Boot, zum Riff zu fahren. Dort erwartete uns gleich der erste Schock: das komplette Hafenbecken war zugemüllt mit Plastikmüll. Damit habe ich nicht gerechnet, wahrscheinlich einfach naiv von mir, aber ich war wirklich schockiert. Teilweise werfen die Anwohner ihren Müll einfach ins Meer oder auf die Straße, teilweise wird natürlich auch der Plastikmüll aus aller Welt mit angespült. Unter Wasser dann der nächste Schock: Der Großteil der Korallen war abgestorben, wir fanden eine regelrechte Mondlandschaft vor. Ich muss sagen, das hat mir wirklich das Herz gebrochen. Als Ursache nannte man uns den Schiffsverkehr, natürlich auch den Tourismus und nicht zuletzt den Klimawandel.

Im Laufe der Woche haben wir verschieden Spots zum Schnorcheln besucht und wir haben trotz der vielen abgestorbenen Korallen ganz viele tolle Fische gesehen, wie z.B. Doktorfische, Fächerfische, kleine Tintenfische und sogar Rochen, Kugelfische und Schildkröten. Das hat mir ein wenig Hoffnung zurückgegeben, denn wenn die Tiere dort keine Nahrung mehr finden würden, dann würden sie sich ja bestimmt ein anderes Plätzchen suchen.

Das hat uns Francesco, der Schnorchel-Guide, so erklärt. Er ist Meeresbiologe und hat auch im Hotel tolle Infos gegeben und Vorträge gehalten. Er ist ein ruhiger und zurückhaltender Mensch, was ich aber super fand, denn diese aufgesetzten Animateur-Guides sind mir viel zu anstrengend. Neben den wunderschönen Fischen haben wir auch an Land tolle Tiere gesehen. Die Blutsaugeragame hatte ich schon erwähnt, den kleinen Dinosaurier. Super süß finde ich auch immer die Gekkos mit ihren kleinen Sternchenfüßen, aber mein Highlight waren natürlich die Flughunde. Wenn man sie im Flug von unten sieht, dann denk man wirklich Batman saust vorbei. Wir konnten sie auch oft beobachten wie sie in den Bäumen hingen oder kletterten und ihre Lieblingsfrüchte aßen, wirklich absolut niedlich. Witzig ist es auch am Strand die Einsiedlerkrebse und Krabben zu beobachten. Man glaubt gar nicht wie lustig die kleinen Kerlchen sein können. Es ist so faszinierend mit was wir für tollen verschiedene Tieren wir diesen Planeten teilen. Ich bin wirklich jedes Mal so unglaublich dankbar das ich die Gelegenheit habe sie live und in Freiheit sehen zu dürfen!

Interessant war neben den Tieren auch das Dorf. Gebucht hatten wir nur Frühstück, also sind wir abends immer mit dem Fahrrad (die man umsonst im Hotel ausleihen darf) ins Dorf gefahren um dort im Cool Garden zu essen, einem der zwei Restaurants auf Hanimaadhoo. Mit dem Rad, und auch zu Fuß ist man in wenigen Minuten im Dorf. Die Staatsreligion auf den Malediven ist der Islam. Das heißt Frauen müssen beim Besuch des Dorfes Knie und Schultern bedeckt halten und darauf sollte man auch einfach aus Respekt gegenüber den Anwohnern Rücksicht nehmen. Das Dorf besteht aus sehr einfachen Steinhäusern, meist grau in grau, aber es gibt auch einige Farbtupfer. Zudem werden wohl gerade auch einige Guest Houses gebaut, die optisch natürlich etwas mehr hergeben als die einfachen Häuser der Bewohner. Die Menschen begegneten uns sehr freundlich, man wird von allen gegrüßt und besonders die Kinder freuten sich uns zu sehen. Es gab auch einige kleine Shops und Supermärkte. Das Cool Garden ist ebenfalls sehr einfach, aber trotzdem wunderbar gemütlich. Das Essen ist preiswert und sehr lecker, wenn auch manchmal etwas scharf, aber wir können es definitiv weiterempfehlen.

Wenn man nun keinen Ausflug ins Dorf machen möchte oder schnorchelt bzw. taucht dann kann man auch einfach am Pool oder am Privatstrand des Hotels die Seele baumeln lassen. Der Strand ist wunderschön, auch das Licht gerade bei Sonnenuntergang ist so schön das es einem fast die Tränen in die Augen schießen lässt. Wirklich atemberaubend ist auch der Sternenhimmel, denn dort kann man ihn ganz pur ohne die Lichtverschmutzung der Städte genießen.

So, das klingt ja eigentlich alles ganz gut denkt ihr jetzt und einerseits ist es das auch wirklich. Sofern man sich nicht aus der Hotelanlage heraus bewegt kann man in seiner kleinen paradiesischen Urlaubsblase bleiben, doch kann man das wirklich so einfach? Ich kann es nicht. Aber sind die Malediven deshalb gleich ein Albtraum? Nein, so weit würde ich nicht gehen, aber ich möchte hier noch ein paar Dinge erwähnen, einfach auch um authentisch zu sein und mir treu zu bleiben. Das Problem mit der Müllentsorgung ist kein Geheimnis. Ebenso wenig ist es kein Geheimnis das wir Touristen einen Großteil des Mülls produzieren.

Nichtsdestotrotz leben die Malediven auch ein Stück weit vom Tourismus. Wie kann man also diesen Teufelskreis durchbrechen? Können Eco-Lodges die Lösung sein? Wir haben das Barefoot Eco Hotel aus gutem Grund gebucht, doch nun, nachdem wir dort waren, bin ich mir nicht mehr sicher ob das die Lösung sein kann. Im Grunde genommen ist dieses Hotel nicht anders als andere. Es befinden sich zwar überall Schilder die dazu auffordern Handtücher und Bettwäsche nicht jeden Tag wechseln zu lassen und darum bitten das man Plastikflaschen und Batterien etc. nicht hier entsorgt sondern mitnimmt, allerdings ist dann natürlich jeder Gast selbst gefragt. Wie viele der Gäste nehmen sich dies dann zu Herzen? Und wenn nicht, wo wird der Plastikmüll dann entsorgt? Im Hafen? Oder auf der sogenannten Müllinsel Thilafushi auf der Gastarbeiter aus Bangladesch für einen Hungerlohn den Müll verbrennen? Auch am Privatstrand des Hotels wird relativ viel Müll angespült. Den sammeln die Angestellten früh morgens – so das es möglichst kein Gast sieht – ein, doch was passiert dann? Die nächste Ladung Müll schwimmt schon im Hafenbecken.

Reisen auf die Malediven sind für mich ein zweischneidiges Schwert. Wir wollen unserer Realität entkommen und ein unberührtes Paradies sehen, doch mit jeder Reise dorthin machen wir uns mitschuldig an dessen Zerstörung. So gern ich auch für einen Moment lang so tun möchte als wäre alles in Ordnung, in meiner wohlig-warmen zauberhaften Urlaubsblase, so kann man die Realität nicht all zu lange ignorieren. Ich möchte hier ganz bestimmt Fernreisen nicht mies machen, denn ich reise selbst unheimlich gern. Ich möchte lediglich versuchen ein Bewusstsein dafür zu schaffen das unser Handeln und unsere Entscheidungen Konsequenzen haben. Alles hat seinen Preis, und damit meine ich nicht das was wir für unseren Urlaub ausgeben, sondern den sehr viel höheren Preis den andere Lebewesen, Mensch und Tier, für unseren Urlaub zahlen.

Verfasst von

Storyteller. Traveler. Nature Lover.

4 Kommentare zu „Die Malediven – Traum oder Albtraum?

  1. Ein sehr schöner, ehrlicher Bericht! Von Freunden habe ich ähnliche Erfahrungen gehört und auch, dass bestimmte Inseln nur für Arbeiter aus Nepal und Bangladesch sind und eine starke Trennung herrscht. Als Tourist soll man in der wunderschönen Blase des Paradieses gehalten werden, doch die Realität sieht anders aus. Danke für den Einblick! LG Antje

    Liken

    1. Ähnlich ist es auch in den Arabischen Emiraten, das Arbeiterelend der ausländischen Hilfskräfte aus den ärmeren Ländern Asiens wird schön hinter den Bling-Bling-Kulissen vor den Touristenaugen versteckt… 🙁 Die werden da richtig nervös, wenn man als Tourist zu viel zufuß geht oder mal ums Haus schaut. 😉 Erging mir auf zwei Dubaireisen so.

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s